06:01 19 Dezember 2018
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    Malu Dreyer

    „Mitleidsschiene“: Koblenzer CDU-Politiker gegen Regierungschefin im Rollstuhl

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    Politik
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    Mitten im rheinland-pfälzischen Wahlkampf sieht sich die Koblenzer CDU mit einem Skandal konfrontiert, den ein Mitglied ihres eigenen Kreisverbandes heraufbeschworen hat. Auf Facebook hatte der Lokalpolitiker Daniel Wilms Fotos der Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in abfälliger Weise kommentiert.

    So war unter den Aufnahmen der an multipler Sklerose erkrankten und im Rollstuhl sitzenden Politikerin zu lesen, sie solle doch „Erwerbsminderungsrente beantragen und abtreten“. Statt mit Inhalten Wahlkampf zu machen, würde sie „Behinderte- Mitleidsschiene“ fahren, hieß es.

    Im Kreisverband der Koblenzer CDU sei man über das Verhalten von Wilms bestürzt, wie  Kreisvorsitzende Andreas Biebricher im Interview gegenüber Sputniknews betonte.  „Wir haben bereits Konsequenzen gezogen. Herr Wilms war in einem Ortsverband Vorstandsmitglied und Donnerstagabend gab es eine Vorstandssitzung, in der Herr Wilms aufgefordert wurde, aus dem Vorstand zurückzutreten und aus der CDU auszutreten. Das hat er beides abgelehnt. Daraufhin ist der Vorstand geschlossen zurückgetreten, um den Weg frei für Neuwahlen zu machen — ohne Herrn Wilms“, sagte Biebricher. Zurzeit werde geprüft, ob der Lokalpolitiker aus der Partei ausgeschlossen werden kann.

    Die rheinland-pfälzische SPD spricht derweil von einer „widerlichen Kampagne der Klöckner-CDU“ und fordert von der Vorsitzenden Julia Klöckner „umgehend eine Klarstellung“.

    Trotz der öffentlichen Empörung zeigt sich Daniel Wilms weiterhin uneinsichtig und lässt über seine Seite auf Facebook weitere verbale Angriffe auf die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin verlauten:

    „ […]Nach der Rückkehr von einem akuten Krankenhausaufenthalt und mehrwöchiger Reha sowie anerkannter Behinderung von 30 % GdB fielen mir diese für ein hoheitliches Amt unwürdigen Bilder auf! Mir reichte es einfach…Sie zeigt den Wahnsinn dieser "Regierung"! Nein, nicht das mit dem Rollstuhl, wer sich aber mit Behinderung ablichtet, betreibt trotzdem einen unfairen Wahlkampf, den das GG gilt für alle Menschen!

    Es ist peinlich, statt mit Inhalten, so Wahlkampf zu machen! Sollte meine schnelle Äußerung als diskriminierend bewertet werden, möchte ich mich dafür gerne hiermit entschuldigen! Eine bloße Frage und Empfehlung sehe ich allerdings nicht als diskriminierend an! Ich bin sehr christlich und empfehle dringend Frau Dreyer, sich ihrer Gesundung zu widmen…[…]“

     

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    Landtagswahlen im Dreierpack: Supersonntag 2016 (54)
    Tags:
    CDU, SPD