13:32 21 November 2018
SNA Radio
    Uncle Sam

    Folgen der US-Wahlen für Russland: „Ideologische Überlegenheit selbstverständlich“

    © AP Photo / Andrew Harnik
    Politik
    Zum Kurzlink
    Präsidentenwahl in USA (2016) (443)
    411125

    Im Vorfeld des „Super Tuesday“ beschäftigen sich russische Auslandsexperten mit den Siegeschancen der wichtigsten US-Präsidentschaftsbewerber, aber auch mit der Frage, wessen Sieg für Russland besser wäre.

    Am Dienstag, dem 1. März, sollen in gleich zwölf US-Bundesstaaten die Vorwahlen stattfinden. Bei den Demokraten ist das Duell zwischen Hilary Clinton und Bernie Sanders laut russischen Experten noch nicht entschieden. Olga Pawlenko, Auslandsexpertin des russischen Instituts für Geschichte und Archive, sagte im Radiosender Kommersant FM: „Clinton ist bei energischen jungen Frauen nicht beliebt. Erfolgreiche und aktive Amerikanerinnen in mittleren Jahren stehen laut allen Umfragen Clinton skeptisch gegenüber und zählen nicht zu ihren Anhängerinnen. Zweitens wird Clinton im Hinblick auf die US-Außenpolitik massiv kritisiert.“

    Bei den Republikanern ist offenbar nur Ted Cruz in der Lage, mit Donald Trump erfolgreich zu konkurrieren, prognostiziert Kirill Koktysch von der russischen Diplomaten-Uni MGIMO: „Trump hat aber ziemlich viel Erfahrung, denn seit ein paar Jahrzehnten hat er verschiedenen US-Wahlkampagnen nahe gestanden. Viele Dinge hat er gesponsert, bei vielen weiteren selbst mitgemacht. Dementsprechend hat er vorerst keinen einzigen Fehler in Sachen Wahlkampf-Management begangen.“

    Welche US-Partei wäre als Sieger besser für Russland? Der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow schreibt in einem Gastbeitrag für die „Rossijskaja Gaseta“: „In der Sowjetunion und später auch in Russland bestand die Vorstellung, dass es für Moskau trotz aller Differenzen und antagonistischen Beziehungen im Hinblick auf die meisten Fragen besser wäre, mit den Republikanern zu tun zu haben. Mit den Konservativen also. Denn diese seien Pragmatiker und zu vernünftigen Vereinbarungen bereit, während die Demokraten zu viel ideologisches Pathos und Voreingenommenheit an den Tag legten. Dieser Standpunkt fand allerdings im realen Leben bei weitem nicht immer seine Bestätigung.“

    Die neokonservative Administration von George W. Bush habe Moskaus Hoffnungen auf „vernünftige“ Republikaner platzen lassen. Bei der „Durchsetzung der Demokratie“ sei die Regierung von Bush jr. ideologisch vielleicht noch eifriger vorgegangen als die des Demokraten Bill Clinton, so Lukjanow.

    Er schreibt weiter: „Die ideologische Überlegenheit der Sieger im Kalten Krieg galt als etwas Selbstverständliches. Der konservative Realismus wurde in den Hintergrund gedrängt, denn es mangelte ihm sozusagen an Vorwärtsstreben und Ambitionen. In absehbarer Zukunft wird sich kaum etwas ändern. Die überwältigende Mehrheit des US-Establishments ist weder bestrebt noch in der Lage, darauf zu verzichten, sich als bedingungslose Sieger zu empfinden.“

    Die Bush-Politik habe aber mit ihren Fehlschlägen die US-Probleme in Sachen Außenpolitik verkompliziert. Und die Leistungen von Barack Obama seien ziemlich widersprüchlich. All dies werde nun die Suche nach neuen außenpolitischen Methoden stimulieren. Nicht auszuschließen sei eine weniger ideologisierte Agenda – und damit auch eine „Rehabilitation des politischen Realismus“, prognostiziert Lukjanow.

    „Es ist allerdings ziemlich schwer vorherzusagen, was eine klassischere US-Außenpolitik für Russland bedeuten würde. Dessen Platz im Rahmen einer hypothetischen künftigen Bilanz zu kalkulieren, ist eine sehr schwierige Aufgabe“, so der Experte.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Präsidentenwahl in USA (2016) (443)

    Zum Thema:

    Trumps „brüderliche Liebe“: Wie Putin Unterstützung aus den USA bekommt
    Trumps Vorwahl-Erfolg: „Amerika hat Angst vor Machtverlust“ – Experte
    Kreml-Sprecher: Ziel der US-Verleumdungskampagne gegen Putin ist seine Wählerschaft
    Donald Trump: Putins Kompliment ist eine große Ehre für mich
    Tags:
    Kalter Krieg, Bill Clinton, George H. W. Bush, Kirill Koktysch, Donald Trump, Olga Pawlenko, Russland, USA