11:56 13 Dezember 2019
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    Kurdenpolitiker: Ankara rechtfertigt Anti-Kurden-Kampf mit paranoiden Feindbildern

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    Die Regierung in Ankara rechtfertigt ihr militärisches Vorgehen gegen Kurden im Südosten des Landes mit der Schaffung von Feindbildern, sodass sich bereits ein Teil der türkischen Gesellschaft über kurdische Opfer freut, wie der Co-Vorsitzende der kurdischen Demokratischen Regionenpartei (DBP), Kamuran Yüksek, in einem Sputnik-Interview mitteilte.

    Kämpfen zwischen türkischer Armee und Kurden (Archivbild)
    © AP Photo / Mehmet Selim Yalcin/Dogan News Agency
    Seit 92 Tagen gilt in der Stadt Sur, Provinz Diyarbakir, eine Ausgangssperre. In den Vierteln Hasırlı, Fatih und Savaş kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, mehr als 200 Kurden sollen von türkischer Polizei mit Waffengewalt und unter ständigem Beschuss in Kellergeschossen blockiert werden.

    Laut Yüksek hat die türkische Regierungsspitze, um ihre aggressive Politik zu rechtfertigen und zu legitimieren, eine „paranoide Vorstellung über die Existenz von Feinden, die den Staat zerstückeln wollen“ geschaffen.

     “Die Handlungen der Behörden erzeugen eine sehr ernsthafte und tiefe Spaltung in unserer Gesellschaft. Die Taten der Regierungspartei haben eine Gesellschaft von Menschen gebildet, die Zufriedenheit und Freude empfinden, wenn sie Berichte über den Tod von Kurden in Cizre, Silopi und Sur lesen. Ist das normal?“, so der Politiker.

    “Unter diesen Menschen befinden sich sowohl Vertreter der PKK-Jugendabteilung als auch die Zivilbevölkerung der Stadt. Nach den uns vorliegenden Informationen sind das etwa 200 Menschen. Gestern wurde bekanntgegeben, dass wegen des Beschusses ein Gebäude teilweise eingestürzt ist, dabei wurden 15 Menschen verletzt”, sagte er.

    Die Menschen seien vor eine schwere Wahl gestellt worden: “Entweder sollen sie sich ergeben und darauf festnehmen lassen, wobei sie sich dabei volkommen nackt ausziehen und mit erhobenen Händen in bestimmten Zeitabständen herauskommen müssen. Natürlich halten die Menschen diese Bedingungen völlig berechtigt für unzumutbar und demütigend”, so der Politiker. Die zweite Variante sei, dass sie im Gebäude bleiben und wegen dem ständigen Beschuss ihr Leben riskieren. 

    Zudem seien humanitäre Korridore keine Garantie für Sicherheit. Vor einiger Zeit hätte das türkische Militär trotz des Korridors das Feuer auf die unbewaffneten Menschen eröffnet.

    Die türkischen Behörden hatten im Dezember in vielen von Kurden besiedelten Gebieten im Südosten des Landes eine Ausgangssperre verhängt. In Sur dauern die Straßenkämpfe zwischen den türkischen Sicherheitskräfte und den Extremisten der kurdischen Arbeiterpartei PKK an. Nach Angaben des türkischen Generalstabs wurden in den Gebieten der Antiterroreinsätze seit Mitte Dezember mehr als 900 kurdische Extremisten vernichtet. Nach Angaben der prokurdischen „Demokratischen Partei der Völker“ kamen bei der Operation auch Dutzende friedliche Zivilisten ums Leben.

     

     

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    Tags:
    Kurden, Kurdische Demokratische Regionenpartei (DBP), Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Kamuran Yüksek, Savaş, Fatih, Hasırlı, Sur, Diyarbakir, Ankara, Türkei