12:42 12 Dezember 2019
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    Kämpfe zwischen türkischer Armee und Kurden (Archivbild)

    Nach Appell für Gewaltstopp in Türkei: Erdogan geht hart gegen Intellektuelle vor

    © AP Photo / Mehmet Selim Yalcin/Dogan News Agency
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    Die türkischen Behörden haben insgesamt 507 Ermittlungsverfahren gegen die Wissenschaftler eingeleitet, die den Appell für einen Gewaltstopp im hauptsächlich von Kurden bewohnten Südosten des Landes unterzeichnet hatten.

    Es laufen insgesamt 153 Strafverfahren, 30 Personen wurde gekündigt.

    Im Januar hatten 1.128 Wissenschaftler aus der Türkei und anderen Ländern in einer Petition die türkischen Behörden aufgerufen, „das Massaker und das Blutbad“ im Südosten der Türkei zu stoppen und die Verhandlungen wieder aufzunehmen, um das Kurdenproblem friedlich beizulegen.

    Der türkische Präsident Tayyip Erdogan hat die Unterzeichner, zu denen namhafte Wissenschaftler wie der Spachforscher Noam Chomsky, der Geograph David  Harvey und der Soziologe Immanuel Wallerstein gehören, als Ignoranten bezeichnet.

    Laut einer Erklärung der Wissenschaftler, die Professorin Esra Mungan von der Bosporus-Universität (Istanbul) am Donnerstag in einer Pressekonferenz verlesen hat, wird gegen die Unterschreiber ein „juristischer und verbaler Krieg“ geführt. Den Wissenschaftlern werde physische Abrechnung angedroht, hieß es.

    Die türkischen Behörden hatten im Dezember 2015 über mehrere Gebiete im Südosten des Landes, wo es zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Mitgliedern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans gekommen war, eine Ausgangssperre verhängt. Nach Angaben des türkischen Generalstabes sind seit Mitte Dezember bei einer Anti-Terror-Operation mehr als 1000 kurdische Kämpfer getötet worden. Wie Vertreter der pro-kurdischen Demokratischen Partei der Völker jedoch behaupten, wurden während der Operation Dutzende Zivilisten getötet.

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