19:01 28 Januar 2020
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    Migrationsproblem in Europa (1282)
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    Ankaras Forderungen an die EU bei der Lösung der Migrationskrise – weitere Finanzierung in Milliardenhöhe, Visa-Freiheit und neue EU-Beitrittsverhandlungen – sind laut dem Türkei-Experten Dr. Bernd Liedtke für die EU kaum umsetzbar. Europa stehe ihm zufolge politisch vor einem Scherbenhaufen.

    „Aus der Sicht der Türkei sind das verständliche Forderungen. Für die EU allerdings gibt es Forderungen, die nicht umsetzbar sind, unter anderem das Thema Visa-Freiheit.  In Europa will zum Beispiel  keiner haben, dass sich die Kurden, die massiv unter Druck in der Türkei stehen, auf den Weg in die EU machen würden“, meint Dr. Liedtke gegenüber Sputniknews.

    Ob das Ganze zur Lösung der Flüchtlingskrise beiträgt, hält er ebenfalls für zweifelhaft: „Alles, was wir im Moment hören und lesen, ist nur ein Herumdoktern an Kleinigkeiten. Es kann meiner Meinung nach nur eine große Lösung geben. Der große Wurf sollte kommen.“

    Die EU sei, so Liedtke weiter, zerstritten. Zwischen den ehemaligen Ostblock-Staaten und den Kernstaaten der EU gebe es einen sehr starken Streit, der ideologisch begründet und vergangenheitsbezogen sei. 

    „Die EU ist derzeit keine politische, sondern nur eine wirtschaftliche Union. Die EU muss für sich definieren, was sie überhaupt will und was ihre Werte sind. Es rächt sich jetzt, dass die EU 28 Staaten umfasst und dass sie sich ganz schnell erweitert hat. Jetzt steht die EU zumindest politisch vor einem Scherbenhaufen“, meint der Experte.

    Die EU werde eine Union der unterschiedlichen Geschwindigkeiten werden. Auch das Verhältnis der EU zu Russland müsse sich Liedtke zufolge grundsätzlich ändern: „Wir brauchen wieder eine Handreichung Richtung Russland.“ Sein Vorschlag sei es, über den Tellerrand zu schauen, breiter zu gucken, die Vereinten Nationen und auch die Syrien-Akteure wie Russland oder die USA mit ins Boot zu nehmen.

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    Migranten, EU, Türkei