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    Landtagswahlen im Dreierpack: Supersonntag 2016 (54)
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    Auch nach den Wahlen am Sonntag ist doch nicht ganz Sachsen-Anhalt schwarz-blau: In Köthen konnte Christina Buchheim das einzige Direktmandat für die Linken holen. Damit schwimmt die erfahrene Politikerin und Rechtsanwältin gegen den Trend.

    Frau Buchheim, die Linke hat in Sachsen-Anhalt ein Drittel ihrer Stimmen von der letzten Landtagswahl verloren. Warum ist die AfD gerade in Sachsen-Anhalt so erfolgreich?

    Wenn man mal im ländlichen Bereich unterwegs war, dann hat man die Probleme klar vor Augen geführt bekommen. Die Menschen sind politikverdrossen, gerade in Sachsen-Anhalt haben wir eine sehr hohe Arbeitslosigkeit.

    Wir haben die Abwanderung der jungen Leute, Altersarmut. Die Leute, die noch hier sind, haben keinerlei Perspektiven. All das sind Dinge, die zu einer Frust bzw. Protestwahl geführt haben.   

    Hat man die AfD nicht ernst genug genommen?

    AfD
    © AFP 2020 / Patrik Stollarz

    Naja, man hat am Anfang doch versucht, die im gewissen Sinne klein zu halten, und man hat versucht, sie nicht teilhaben zu lassen an Podiumsdiskussionen. Das rächt sich jetzt. Denn die direkte Auseinandersetzung hätte gezeigt, ob hinter den Parolen wirklich etwas steckt und damit sicherlich sehr zur Aufklärung beigetragen.  

    Die Linken wurden im Bundestag auch lange diskriminiert. Wie sollte man jetzt mit der AfD umgehen?

    Die sind im Parlament, man muss damit offen umgehen und damit leben. Man kann sie da nicht in eine Ecke drängen, sondern man muss die Diskussion führen. Letzten Endes wird es sich bewahrheiten, ob hinter den Parolen wirklich eine Substanz steckt. 

    Haben die Linken auch Wähler an die AfD verloren?

    Sicher, ich gehe davon aus, und zwar sehr viele, leider…

    Wie erklären Sie sich das?

    Sicherlich auch mit der Flüchtlingsfrage, wo die Linke doch immer sehr klare Bekenntnisse abgegeben hat. Die Parolen der AfD haben dort in meinen Augen einfach mehr gezogen.

    Viele vermuten, dass der Erfolg der AfD eigentlich ein Denkzettel für Merkels Flüchtlingspolitik ist. Sehen Sie das auch so?

    Ja, die Flüchtlingsfrage war hier doch ein entscheidendes Kriterium. Einem großen Teil der Bevölkerung geht es in Sachsen-Anhalt schlecht und der Sozialneid der Bevölkerung hat doch auch im Straßenkampf eine sehr gravierende Rolle gespielt. Also da gab es schon Äußerungen, was bekommen wir und was fließt an sozialen Mitteln bei den Flüchtlingen

    Wenn wir davon ausgehen, dass die Linke wie auch die AfD eine starke Opposition sind im Landtag — wird es dann auch eine Zusammenarbeit mit der AfD geben können?

    Davon gehe ich nicht aus. Das kann ich mir nicht vorstellen.

    Interview: Armin Siebert

    Themen:
    Landtagswahlen im Dreierpack: Supersonntag 2016 (54)

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    Tags:
    Migranten, Die LINKE-Partei, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Christina Buchheim, Sachsen-Anhalt, Deutschland