00:20 28 November 2020
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    Es ist günstig für den Westen, Moskau für alle Probleme verantwortlich zu machen, da es ihn davon entbindet, einen präziseren und selbstkritischeren Blick darauf werfen zu müssen, wo er selbst gescheitert ist. Dies arbeite letztendlich jedoch vor allem dem Kreml in die Hände, berichtet „The Guardian“.

    Die heutigen Beziehungen zwischen Russland und dem Westen seien vom sogenannten Kalten Krieg weit entfernt, bleiben jedoch weiterhin ziemlich angespannt. Die beiden Seiten wollen den gegenseitigen Argumenten weitgehend kein Gehör schenken, schreibt Mark Galeotti in seinem Artikel.

    Russland bezeichne beliebige feindliche Erklärungen seitens der westlichen Politiker stets gerne als „Russophobie“. Doch sei die Herangehensweise des Westens „obwohl ein wenig feiner, doch zugleich auch wesentlich problematischer“. Buchstäblich für jeden seinen Misserfolg beschuldige der Westen Russland. Diese Rhetorik entwickle sich zu einer Waffe, die Moskau erfolgreich zum Erreichen eigener Ziele einsetzt.

    In Wirklichkeit, so der Autor, erweisen sich die meisten der Beschuldigungen in Bezug auf Russland als grundlos. So sei die Flüchtlingskrise noch lange vor dem Beginn des russischen Militäreinsatzes in Syrien entbrannt, und nicht, wie einige Politiker behaupten, daraus erfolgt.

    Es gebe auch keine Beweise dafür, dass Russland einen realen Einfluss auf den Aufstieg von Nationalisten in Europa ausübt. Vielmehr seien die aus der Unzufriedenheit in Europa selbst hochgekommen: „Zweifel an der Rechtmäßigkeit der EU, Angst vor der kulturellen Homogenisierung und einer unkontrollierten Migration, nostalgische Mythen über ‘die gute alte Zeit’, die es nie gegeben hat.“

    „Es ist günstig für den Westen, Russland als Verschwörer zu beschuldigen, weil uns dies davon entbindet, einen präziseren, härteren und selbstkritischeren Blick darauf werfen zu müssen, wo wir selber gescheitert sind“, so Mark Galeotti.

    „The Guardian“ zufolge muss der Westen nicht unbedingt, der russischen Weltanschauung zustimmen. Er solle einfach akzeptieren, dass diese auch eine eigene Logik hat, und begreifen, dass der Westen durch eine Dämonisierung Russlands und die Betreibung einer feindlichen Politik gegen dieses Land vor allem sich selbst schadet.

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