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    Thilo Sarrazin: Wer half AfD in den Sattel?

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    Der Berliner Ex-Finanzsenator und Buchautor Thilo Sarrazin hat in einem Interview mit der Berliner Zeitung den Türkei-Deal heftig kritisiert und der Großen Koalition vorgeworfen, den Aufschwung der AfD verursacht zu haben.

    Zwar sei der Pakt mit Ankara Sarrazin zufolge ein Erfolg für Angela Merkel, er komme aber „ein Jahr und 1,2 Millionen Flüchtlinge zu spät“. Auch der Preis, den Europa für den geplanten Austausch mit der Türkei zu zahlen haben werde, stehe noch nicht fest. 

    „Letztlich verlagern wir das Unangenehme von uns weg. Wenn man Grenzen hat, muss der Staat sie auch schützen. Diese Aufgabe geben wir jetzt ab an einen Staat, der traditionell bei der Durchsetzung weniger Skrupel hat als die Länder West- und Nordeuropas und gegenwärtig im Osten der Türkei die eigene Zivilbevölkerung bombardiert“, so Sarrazin.

    Weiter erklärte der Autor der umstrittenen Bücher „Deutschland schafft sich ab“ und „Europa braucht den Euro nicht“, wie die aktuelle Flüchtlingspolitik der CDU-SPD-Koalition und der damit verbundene Aufstieg der AfD einander beeinflusst haben:

    „Zwischen CDU, SPD, Grünen und Linken gibt es bundesweit bei der Flüchtlings- und Einwanderungspolitik keine nennenswerten Unterschiede. De facto sah sich der Bürger in dieser Frage einer nationalen Einheitsfront gegenüber. Viele hatten zudem das Gefühl, ihre Meinung nicht offen sagen zu können. So wählten sie in der Stille der Wahlkabine die einzige Alternative, die ihnen auf den Stimmzetteln angeboten wurde“, sagte der Politiker und Autor.

    Schon 2010 und 2012 hätte er auf die Risiken einer falschen Einwanderungspolitik, eines radikalen Islam und einer verfehlten Politik der Euro-Rettung hingewiesen, so Sarrazin weiter. Zudem hätte er Lösungsvorschläge gemacht. Hätten die verantwortlichen Politiker der CDU und SPD diese Analysen ernst genommen und entsprechend gehandelt, meint Sarrazin, so wäre die AfD 2013 gar nicht erst gegründet worden oder hätte zumindest nicht solche Wahlerfolge.

    Zu den künftigen Perspektiven von Angela Merkel als Bundeskanzlerin und Sigmar Gabriel als Nicht-Kanzler sagte Sarrazin, Merkel mache zwar falsche Politik, könne aber auch nach 2017 Kanzlerin bleiben. „Sigmar Gabriel macht auch eine falsche Politik, aber er ist kein Bundeskanzler und wird es auch niemals werden“, schließt er.

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    Flüchtlingskrise, Migranten, Landtagswahlen, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Thilo Sarrazin, Europäische Union, Türkei, Deutschland