10:23 01 Dezember 2020
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    Der aktuelle Kuba-Besuch Barack Obamas sei in erster Linie eine PR-Aktion des scheidenden US-Präsidenten selbst, schreibt der Experte des russischen Instituts für USA- und Kanada-Studien, Wladimir Wassiljew, in einem Beitrag für die Webseite Nation-news.ru.

    Nach seinen Worten bemüht sich Obama darum, einen Beitrag zur Geschichte seines Landes zu leisten, und die Förderung der vor vielen Jahren auf Eis gelegten Beziehungen mit Kuba bietet eine günstige Gelegenheit dafür. Obamas Kuba-Besuch ist die erste Visite eines US-Präsidenten in diesem Land seit 88 Jahren. Vor ihm war Calvin Coolidge 1928 auf die Insel gereist. Nachdem Fidel Castro in Kuba 1959 an die Macht gekommen war, wurden die gegenseitigen Beziehungen abgebrochen, um erst im Sommer 2015 wiederhergestellt zu werden.

    „Dieser Besuch ist eine PR-Aktion für Obama“, zeigte sich der Politologe überzeugt. „Er verabschiedet sich aus dem Präsidentenamt und möchte eine Spur in der Geschichte hinterlassen. Die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Kuba, der erste Besuch eines US-Präsidenten seit 80 Jahren – das ist alles eine wichtige Zeile in seinem Lebenslauf als Präsident. Im Allgemeinen hat er nicht allzu viele Erfolge vorzuweisen“, so Wassiljew. „Obama wird während seiner Kuba-Reise kurz angebunden sein – sie wird ihm weder große Vor- noch Nachteile bringen. Das ist keine kostspielige Aktion, für die Amerika kaum etwas opfern muss. Obama will nur diese Zeile in seinem Lebenslauf füllen, so dass sie als ‚außenpolitischer Erfolg‘ gilt.“

    Obama selbst, der in Kuba in Begleitung seiner Familie und des US-Außenministers John Kerry eingetroffen ist, nannte seine Reise „historisch“. „Das ist ein historischer Besuch und eine historische Gelegenheit“, sagte er den Mitarbeitern der US-Botschaft in Havanna, die seine Delegation empfingen.

    Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump nannte inzwischen die Tatsache, dass nicht der kubanische Staatschef Raul Castro, sondern Außenminister Bruno Rodriguez die US-Delegation am Flughafen empfangen hatte, „respektlos“. Mit Castro wird sich Obama erst am Montag treffen.

    Trump habe dadurch die Meinung aller Republikaner zum Ausdruck gebracht, die sich Obamas Annäherungskurs mit Kuba nicht gefallen lassen, meint Wassiljew. „Die Republikanische Partei ist im Allgemeinen vehement gegen eine solche Wende“, betonte er. „Das war Obamas persönliche Aktion, die eben als Versuch wahrgenommen wird, in die Geschichte einzugehen. Die Republikaner waren mindestens deswegen dagegen, weil sich Obama ohne wichtige Zugeständnisse seitens Kubas dafür entschieden hatte: Die Amerikaner hatten die Sanktionen einfach abgeschafft. Das war eine einseitige Geste des guten Willens, und die Vereinigten Staaten konnten sich diese Geste leisten, denn sie spielen immerhin die Rolle des ‚großen Bruders‘ für die Länder Lateinamerikas.“

    Auf der Tagesordnung des Besuchsprogramms des US-Präsidenten, der bis 22. März in Kuba weilen wird, stehen Verhandlungen mit Raul Castro, ein Treffen mit kubanischen Dissidenten sowie eine Ansprache an das kubanische Volk. Ein Treffen mit dem Revolutionsführer Fidel Castro ist nicht geplant.

    Im Kreml schätzte man Obamas Kuba-Reise positiv ein. Wie der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, sagte, ist Moskau daran interessiert, „dass das uns freundschaftlich gesinnte Kuba gute Beziehungen mit allen Nachbarn pflegt, und in erster Linie mit den USA.“

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    Tags:
    Barack Obama, USA, Kuba