11:03 26 Februar 2017
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    „Zu viel Geld im Spiel“: Deutscher Experte analysiert „Ausverkauf der US-Demokratie“

    © AFP 2016/ DPA /Carsten Rehder
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    „Auf Kosten der Freiheit – Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen für Europa“ - so lautet der Titel des neuen Buches von Josef Braml, das gerade im Quadriga Verlag erschienen ist. Doktor Braml ist USA-Experte bei der deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

    „Eine Handvoll Personen — vielleicht sind es ein paar mehr — bestimmen die Geschicke der USA.“ So beschreibt der Autor im Sputnik-Interview mit Bolle Selke die These seines Buches.

    Auf kosten der Freiheit
    Auf kosten der Freiheit

    "Das ist ja nicht nur ein Problem der Politik, der Demokratie, sondern eben auch der Wirtschaft“, betonte Braml. „Hier wird eben nicht das richtige Maß gefunden. Mittlerweile finden in verschiedenen Bereichen, sei es die Militärindustrie, sei es die Ölindustrie, oder eben dann auch die Medien- und die IT-Industrie und nicht zuletzt auch der Finanzsektor — Vermachtungen statt. Da gibt es keinen freien Wettbewerb. Auf Grund dieser Vermachtungen, dieser oligopolistischen Strukturen funktioniert die amerikanische Wirtschaft nicht mehr so gut, wie sie könnte. Das ist ein Wirtschaftsproblem. Was das Ganze zu einem politischen Problem macht, ist dass diese dominanten Spieler sich die eigenen Spielregeln schreiben.

    "Sehen Sie sich die Aufstellungen der größten Medienkonzerne an“, so der Experte. „Da finden sie unter den Top Ten kaum Europäer oder andere Nationen. Da sind die Amerikaner sehr gut aufgestellt und die machen eben dann auch Geschäfte weltweit. Dank ihrer Macht können sie auch Regeln nicht nur in ihrem eigenen Land bestimmen, sondern auch weltweit. Nehmen Sie Google: Google hat, was die Internetsuche in Europa angeht, eine Macht von 90 Prozent. Das ist bedenklich. Oder nehmen Sie die Rüstungskonzerne. Da sehen sogar die russischen Konzerne nicht mehr ganz so gut oder ganz so mächtig aus. Das beeinflusst die Welt. Sehen Sie sich die jüngsten SIPRI-Daten zu den Rüstungsexporten an, da ist Amerika ganz vorne dabei. Rüstungsexporte die in den Mittleren Osten gehen, aber vor allem eben auch nach Asien, in Länder, die sich im Verbund mit den USA gegen China wappnen wollen. Deutschland als Handelsnation muss sehr gut aufpassen, dass es nicht zwischen die Fronten von diesen ja immer mehr rivalisierenden Nationen China und Amerika kommt.“

    „Eine logische Strömung dieser Auseinandersetzung können Sie aus dem inneren System der USA erklären. Es gibt sicher auch geopolitische Erklärungen. Auch das Verhalten Chinas trägt nicht unbedingt immer zum Frieden bei, aber was sehr wichtig ist, sind eben diese innenpolitischen Faktoren in den Vereinigten Staaten, welche die USA aggressiver auftreten lassen."

    Aber auch das politische System in Europa ist nach Ansicht des Autors nicht mehr „wasserdicht“. Dies ließ sich am jüngsten Wahlerfolg der „Alternative für Deutschland“ klar erkennen.

    "Zuerst müssen wir unsere Systeme selbst wetterfest machen“, betonte Braml. „Wir sind ja auch nicht frei davon. Schauen sie sich an, was die AfD aus dem Stand an Aufmerksamkeit und Wählerunterstützung bekommen hat. Das ist sicherlich sehr viel Protest, aber wir sehen auch hier, dass viele Wähler nicht mehr mit dem Angebot der etablierten Parteien zufrieden sind. Das wird durch die Einwanderung noch vergrößert, aber vor allem auch dadurch, dass unsere Wirtschaft und Politik im Zusammenspiel eben nicht mehr das nötige Wachstum, um möglichst viele Menschen zufrieden zu stellen, generiert. Das wird sich auch zeigen. Das zeigt sich eigentlich in ganz Europa. Das wird sich in Frankreich durch die Erfolge Marine Le Pens noch deutlicher zeigen. Auch unsere Demokratien sind in Gefahr, das heißt, wir müssen zusehen, dass wir unsere politischen Systeme wetterfest machen, dass wir eben hier wieder dafür sorgen, das Wirtschaftskraft mehr Wohlstand generiert und damit auch für mehr Unterstützung des politischen Systems sorgt."

    Zum Thema:

    Proteststimmung bei US-Vorwahlen: „Demokratie im Westen büßt Vertrauen ein“
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    Tags:
    Josef Braml, USA
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    Alle Kommentare

    • edd
      "Ausverkauf der US-Demokratie"
      Dies ist doch in Amerika eine Tradition ;)
      oder hat jemals ein normaler Bürger die Wahlen gewonnen?
    • VSA hat sich zur Banananrepublik entwickelt , aber in Europa ist es auch nicht viel besser . Dennoch besser als unter einer kommunistischen Knute !
    • Antwort anedd(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      edd,
      Wie soll deiner Meinung nach ein " normaler" einen Wahlkampf führen können ? Ohne Moos nix los !
    • avatar
      andre.marggraf
      " aber vor allem auch dadurch, dass unsere Wirtschaft und Politik im Zusammenspiel eben nicht mehr das nötige Wachstum, um möglichst viele Menschen zufrieden zu stellen, generiert."

      Als wäre es jemals das Interesse eines Kapitalisten oder einer Oligachie gewesen, Wohlstand für die Gesellschaft zu generieren - neoliberaler Schwachsinn!

      Das Interesse eines Kapitalisten war und ist: Aus Kapital mehr Kapital zu machen, oder wie Marx und Engels belegten: K zu K`.

      Ansonsten herrscht die Furcht vor Abwesenheit von Profit ...
    • avatar
      ThomasAntwort anedd(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      edd, die wählen doch blos Wahlmänner? Ein Wählerverzeichnis? Ein Ausweis?
      Unbequeme und jene welche mal gegen das Gesetz verstoßen haben sollen, sind ausgeklammert.
      Ohne paar Millionen Dollar und die Macht der Medien geht dort nichts.
    • Sascha IwanowAntwort an (Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Tommy,
      schreib doch mal was über Europa, oder der Welt, unter der kapitalistischen/imperialistischen Knute, da brauchtest du dich nicht mit Dingen beschäftigen von den du absolut keine Ahnung hast!
    • avatar
      Thomas
      "Geld regiert die Welt" ist antidemokratisch.
      "Wer in der Schuld ist, ist nicht frei", ist auch antidemokratisch.
      Die Macht des Schuldners?
      Wenn es Bankenverbrecher sind, dann werden die von der Allgemeinheit über den Finanzminister mit Beschluß von CDU/SPS/CSU gerettet. Die Bevölkerung wird entmündigend zum Schuldsklaven gemacht.
      Wohin die sas Geld verschwinden lassen haben, oder sich auch weiter verzockten? Das streng gehütete Staatsgeheimnis.
      Mit der Finanzkrise zerschlagen die Demokratie nachhaltig, wenn keine politischen Eingriffe vorgenommen werden.
    • Antwort anSascha Iwanow(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Sascha,
      Für dich mag Kommunismus die Erfüllung sein , für mich ist es nicht . In dem Sinne Genosse .....
    • avatar
      andre.marggrafAntwort an (Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Tommy,
      was wissen Sie vom Kommunismus oder Sozialismus?
      Für letzteres gab es einige Versuche - gegen den Rest der Welt und daher mißlungen und gescheitert ...
    • kitzlerattrappeAntwort an (Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Tommy, absurder Scheiß den du da schreibst.
    • avatar
      sachsenhammer1
      Die USA sind und waren zu keinem Zeitpunkt eine Demokratie.
    • Obwohl ich glaube, dass in den USA sehr viele Menschen dem System nicht mehr vertrauen, werden sie nicht die klare Erkenntnis, die Kraft und die Solidarität aufbringen, um die mörderische Herrschaft dieses aus dem Ruder gelaufenen Raubtier-Kapitalismus abzuschütteln. Wir dürfen annehmen, dass die amerikanische Bevölkerung genauso wenig objektiv informiert wird, wie die Menschen fast überall auf der Welt und deshalb haben politische Bewegungen auch kaum die Chance sich wirksam und durchschlagend neben den beiden alterserstarrten, politischen Riesen(Republikaner/Demokraten) zu etablieren.

      Die amerikanische Wirtschaft hat ihren Schwung und ihre Strahlkraft auf die Welt schon lange eingebüsst und entsprechend aggressiv tritt dieses Land militärisch auf dem eurasischen Kontinent auf. Hier konzentrieren sich immer noch die weltweit höchsten Rohstoffvorkommen und es entwickeln sich die lukrativsten Märkte der Zukunft. das interessiert den Durchschnittsamerikaner vielleicht nicht so sehr, aber sehr wohl die Finanzeliten.

      Das TTIP-Abkommen, der US-Druck auf die Europäer bezüglich derSanktionen gegen Russland und die amerikanischen Interessen sowohl militärisch als auch auch ökonomisch an der Ukraine(Aufkauf der Agrarflächen durch US-Agrarkonzerne) sind Zeichen eines ungebremsten Expansionismus. Stetes Wachstum und Gewinnmaximierung sind im Kapitalismus systemimmanent, was bei einem Ausbleiben oder Rückgang zwangsläufig das Ausgreifen auf fremde Territorien erzwingt. Wie wir das gerade erleben.
    • Antwort ansachsenhammer1(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      sachsenhammer1, das würde ich nicht ganz so sagen, aber schon immer eine expansive, zur Gewaltanwendung neigende Demokratie. So lange die Welt noch groß genug war für die Erfordernisse der US-Ökonomie gab man sich bis auf etliche Kriege und Staatsumstürze liberal und weltoffen, aber diese Ära neigt sich ihrem Ende zu.
    • "Zuerst müssen wir unsere Systeme selbst wetterfest machen“, betonte Braml. „Wir sind ja auch nicht frei davon. Schauen sie sich an, was die AfD aus dem Stand an Aufmerksamkeit und Wählerunterstützung bekommen hat. Das ist sicherlich sehr viel Protest, aber wir sehen auch hier, dass viele Wähler nicht mehr mit dem Angebot der etablierten Parteien zufrieden sind."

      Was sind das für Phrasen, erschütternd.
      Was liefert dieser Experte der DGAP hier eigentlich für Erkenntnisse ab?
      Zuerst wäre zu klären, für wen schreibt der Mann.
      Die DGAP ist der sogenannte Think Tank des Auswärtigen Amtes. Der Chef heisst Steinmeier. Eigentlich sagt das bereits alles. Auch über die intellektuellen Entfaltungsmöglichkeiten innerhalb des Apparates.

      Wer sich die Selbstpositionierung der DGAP anschaut, erfährt unschwer, dass es ein ausgesprochen konservativer Verein ist, der rossophob und pro-amerikanisch, pro NATO "aufgestellt" ist.

      Dass die westlichen Systeme "wasserfest" gemacht werden müssen, ist so ein Schwachsinn, dass es einem die Sprache verschlägt.
      Vielleicht überlegt Herr Braml einmal, was der kapitalistische Wettbewerbsterror, die allgemeine Militarisierung, die innere Zerstörung der Demokratie in den USA und der EU, das imperialistische Ausgreifen in den eurasischen Raum und in "the greater middle east" und die verkommene politische Klasse mit den Abwanderungen der Wähler von den Etablierten zu tun hat. Weite Teile der Bevölkerung überkommt nur noch der Brechreiz.

      Sicher ist zu viel Nachdenken und Publizieren in die von mir vorgeschlagene Richtung jeglicher Karriere bei der DGAP und auch anderen "regierungsnahen" Schrumpf & Stink Tanks abträglich.
    • boroser1502
      Europa hat eine gute und sehr wertvolle Demokratie.

      Demokraten in Europa feiern sich selbst so gerne -

      und kritisieren sehr fleissig andere Staaten und deren Politiker.

      Gleichzeitig sind immer mehr Bürger in EU- Europa sehr unzufrieden,

      mit der Einhaltung versprochener Demokratie- Versprechen bzw.

      sehr unzufrieden mit gebrochenen Denokratie- Versprechen.

      Könnte das demolratische Europa mal eine Volksbefragung

      durchführen lassen, wie viele Bürger tatsächlich zufrieden

      sind mit der Politik der EU- Musterdemokraten?
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