08:52 26 Juni 2017
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    „Zu viel Geld im Spiel“: Deutscher Experte analysiert „Ausverkauf der US-Demokratie“

    © AFP 2017/ DPA /Carsten Rehder
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    „Auf Kosten der Freiheit – Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen für Europa“ - so lautet der Titel des neuen Buches von Josef Braml, das gerade im Quadriga Verlag erschienen ist. Doktor Braml ist USA-Experte bei der deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

    „Eine Handvoll Personen — vielleicht sind es ein paar mehr — bestimmen die Geschicke der USA.“ So beschreibt der Autor im Sputnik-Interview mit Bolle Selke die These seines Buches.

    Auf kosten der Freiheit
    Auf kosten der Freiheit

    "Das ist ja nicht nur ein Problem der Politik, der Demokratie, sondern eben auch der Wirtschaft“, betonte Braml. „Hier wird eben nicht das richtige Maß gefunden. Mittlerweile finden in verschiedenen Bereichen, sei es die Militärindustrie, sei es die Ölindustrie, oder eben dann auch die Medien- und die IT-Industrie und nicht zuletzt auch der Finanzsektor — Vermachtungen statt. Da gibt es keinen freien Wettbewerb. Auf Grund dieser Vermachtungen, dieser oligopolistischen Strukturen funktioniert die amerikanische Wirtschaft nicht mehr so gut, wie sie könnte. Das ist ein Wirtschaftsproblem. Was das Ganze zu einem politischen Problem macht, ist dass diese dominanten Spieler sich die eigenen Spielregeln schreiben.

    "Sehen Sie sich die Aufstellungen der größten Medienkonzerne an“, so der Experte. „Da finden sie unter den Top Ten kaum Europäer oder andere Nationen. Da sind die Amerikaner sehr gut aufgestellt und die machen eben dann auch Geschäfte weltweit. Dank ihrer Macht können sie auch Regeln nicht nur in ihrem eigenen Land bestimmen, sondern auch weltweit. Nehmen Sie Google: Google hat, was die Internetsuche in Europa angeht, eine Macht von 90 Prozent. Das ist bedenklich. Oder nehmen Sie die Rüstungskonzerne. Da sehen sogar die russischen Konzerne nicht mehr ganz so gut oder ganz so mächtig aus. Das beeinflusst die Welt. Sehen Sie sich die jüngsten SIPRI-Daten zu den Rüstungsexporten an, da ist Amerika ganz vorne dabei. Rüstungsexporte die in den Mittleren Osten gehen, aber vor allem eben auch nach Asien, in Länder, die sich im Verbund mit den USA gegen China wappnen wollen. Deutschland als Handelsnation muss sehr gut aufpassen, dass es nicht zwischen die Fronten von diesen ja immer mehr rivalisierenden Nationen China und Amerika kommt.“

    „Eine logische Strömung dieser Auseinandersetzung können Sie aus dem inneren System der USA erklären. Es gibt sicher auch geopolitische Erklärungen. Auch das Verhalten Chinas trägt nicht unbedingt immer zum Frieden bei, aber was sehr wichtig ist, sind eben diese innenpolitischen Faktoren in den Vereinigten Staaten, welche die USA aggressiver auftreten lassen."

    Aber auch das politische System in Europa ist nach Ansicht des Autors nicht mehr „wasserdicht“. Dies ließ sich am jüngsten Wahlerfolg der „Alternative für Deutschland“ klar erkennen.

    "Zuerst müssen wir unsere Systeme selbst wetterfest machen“, betonte Braml. „Wir sind ja auch nicht frei davon. Schauen sie sich an, was die AfD aus dem Stand an Aufmerksamkeit und Wählerunterstützung bekommen hat. Das ist sicherlich sehr viel Protest, aber wir sehen auch hier, dass viele Wähler nicht mehr mit dem Angebot der etablierten Parteien zufrieden sind. Das wird durch die Einwanderung noch vergrößert, aber vor allem auch dadurch, dass unsere Wirtschaft und Politik im Zusammenspiel eben nicht mehr das nötige Wachstum, um möglichst viele Menschen zufrieden zu stellen, generiert. Das wird sich auch zeigen. Das zeigt sich eigentlich in ganz Europa. Das wird sich in Frankreich durch die Erfolge Marine Le Pens noch deutlicher zeigen. Auch unsere Demokratien sind in Gefahr, das heißt, wir müssen zusehen, dass wir unsere politischen Systeme wetterfest machen, dass wir eben hier wieder dafür sorgen, das Wirtschaftskraft mehr Wohlstand generiert und damit auch für mehr Unterstützung des politischen Systems sorgt."

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    Tags:
    Josef Braml, USA
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