10:02 13 Dezember 2017
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    Verwandelt sich Türkei in zweites Syrien? – US-Medien

    © AFP 2017/ Dimitar Dilkoff
    Politik
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    Ankara, Europas Partner in der Flüchtlingskrise, steht selbst vor gravierenden Problemen. Im Südosten des Landes ist ein Bürgerkrieg voll im Gange, hunderttausende Menschen werden zu Flüchtlingen im eigenen Land. Das schreibt „Politico“, das Politjournal aus den USA.

    Einwohner von Diyarbakir, die aus der türkischen Millionenstadt geflohen sind, erkennen ihre Stadt nicht mehr wieder, wie die Zeitschrift berichtet: „Die engen Gassen der inoffiziellen Kurdenhauptstadt sind voller Trümmer, aus Brandruinen steigt Rauch auf“, schreibt Politico.

    Vor vier Monaten habe das türkische Militär die Stadt belagert. Hier haben sich die erbittertsten Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und der in der Türkei verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans ereignet: „Das alles erinnert an Syrien. Wir haben nur ein paar Sachen für die Kinder eingepackt und sind los. Von der Stadt ist nichts mehr übrig“, sagte eine vor den Kämpfen geflohene Einwohnerin der Stadt. 

    Europa habe diesen Gewaltexzessen, so das Politblatt aus den USA, praktisch keine Aufmerksamkeit gewidmet. Brüssel habe genug eigene Sorgen mit den Konflikten in Syrien und dem Irak und vor allem mit den Menschen, die aus diesen Ländern geflohen seien. Doch der Bürgerkrieg verwandele einzelne Regionen der Türkei in Gebiete, die dem heutigen Syrien sehr ähnlich seien.

    Ankara habe nicht nur mit syrischen, sondern auch mit den eigenen Flüchtlingen Probleme. Schätzungen der EU-Vertreter in der Türkei zufolge sind seit August 400.000 Menschen auf der Flucht.

    Im Juli seien die Versuche, einen Waffenstillstand zu vereinbaren, gescheitert. Daraufhin sei die Gewalt auf den Straßen nach dem Prinzip „Auge um Auge“ eskaliert. Nach Einschätzungen der Internationalen Krisengruppe sind im Südosten der Türkei seit August mindestens 250 Menschen ermordet worden.

    Außer Diyarbakir habe auch die Stadt Cizre schwer gelitten. Die örtliche Verwaltung schätze, dass an die 120.000 Menschen aus der Stadt geflohen seien: „Die halbe Stadt ist nicht mehr bewohnbar, die andere Hälfte ist schwer beschädigt“, zitiert das US-Magazin einen Regionalvertreter von Human Rights. „Die Stadt macht mich fassungslos. Sie ist genauso zerstört, wie das syrische Kobane, das im Sommer 2014 vom IS angegriffen wurde“, so der Menschenrechtler.

    Europa schweige selbstverständlich. Es gehe nur um Flüchtlinge, sagt der Organisationsvertreter weiter: „Während eines Besuchs in Berlin habe ich versucht, die deutschen Parlamentarier auf die Situation im Südosten der Türkei aufmerksam zu machen. Doch die interessierte nur die Frage, was denn mit den syrischen Flüchtlingen sei“, zitiert das Politjournal den Menschenrechtsexperten.

    Europa kritisiert Ankara für das Vorgehen gegen die Arbeiterpartei Kurdistans nicht. Brüssel stuft die Partei als Terror-Organisation ein, obwohl zahlreiche europäische Staaten, die gegen den IS kämpfenden Volksverteidigungseinheiten der Partei unterstützen, wie Politico berichtet.

    „Wie kann dieser Staat syrischen Flüchtlingen helfen, wenn er die eigenen Bürger tötet und Menschen im eigenen Land zur Flucht zwingt? Begreift Europa denn nicht, dass auch die Türken und die Kurden in die EU strömen werden, wenn der kurdische Konflikt zu einem Krieg wird?“, zitiert Politico einen Vertreter der kurdischen Demokratischen Partei im türkischen Parlament.

    Einige hätten die Flucht bereits unternommen, betont indes die Zeitschrift. Letzen Monat habe die türkische Küstenwache in einer Gruppe aus Afghanen und Syrern zwölf türkische Kurden bei dem Versuch entdeckt, nach Griechenland zu gelangen. Medien hätten berichtet, sie seien vor der Gewalt der Regierung im Südosten der Türkei geflohen.

    Indes habe sich die Intensität der Kämpfe verstärkt, die Zahl der Flüchtlinge steige, konstatiert das US-Magazin. Als die türkische Regierung am Monatsbeginn die Blockade der Stadt Sirnak erklärt habe, haben 50.000 der insgesamt 63.000 Einwohner ihre Heimat verlassen.

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    Tags:
    Syrien, Türkei
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