21:16 23 November 2020
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    Der Kuba-Besuch von US-Präsident Barack Obama ist ein positives Moment, doch es steht noch nicht fest, ob Washington zu einem echten Tauwetter mit Havanna bereit ist. Darauf weisen Analysten aus Russland, Kuba und China hin.

    Boris Martynow, Vizechef des russischen Lateinamerika-Instituts, sagte am Dienstag der Agentur Ria Novosti, der scheidende US-Präsident verfolge mit seinem Besuch rein demonstrative Ziele: „Zwar könnten die USA ihr Embargo aufheben, doch im Gegenzug würden sie politische Zugeständnisse fordern. Wird Kuba darauf eingehen und sich fügen? Die Kubaner haben ein langes genetisches Gedächtnis. Sie wollen Reformen und einen Markt, der frei genug wäre, doch sie wollen nicht wieder Sklaven werden (…) Ich habe meine Zweifel daran, dass die USA das Embargo aufheben werden. Sie werden Kuba wirtschaftlich weiter unter Druck setzen, um politische Vorteile zu erzielen.“ 

    Obama selbst sprach von einem „neuen Tag“ in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern und kündigte an, den US-Kongress „aggressiver“ zu beeinflussen, damit dieser das Embargo doch aufhebt. Washington will Kuba laut Obama keinen Wandel aufzwingen: „Über Kubas Schicksal sollen die Kubaner selbst entscheiden.“

    Eine letzte PR-Aktion für Obama
    © Sputnik / Vitaliy Podvitskiy

    Felipe Pérez Cruz, Vorsitzender des kubanischen Nationalen Historiker-Verbandes, sagte in einem Gespräch mit der russischen Tageszeitung „Kommersant“: „Dass Obama kommt, ist ein positives Moment. Politisch gesehen ist Obama ein tapferer Mann. Manche positive Sachen wurden getan – insbesondere im Bereich der akademischen Kooperation und im Verkehrsbereich zwischen unseren Ländern. Obama ist intelligent. Hoffentlich besucht er Kuba, um unsere Beziehungen zu verbessern und nicht umgekehrt. Hoffentlich werden die Amerikaner von der Propaganda zum konkreten Handeln übergehen, das positive Ergebnisse haben wird.“

    „Uns beunruhigt Folgendes: Obama sagte, dass das Ziel, unserer Revolution ein Ende zu setzen, bestehen bleibt. Nun will man darauf allerdings durch eine ‚Umarmungs-Politik‘ hinarbeiten. Er will Kuba diktieren, was es tun soll. Das ist ein faschistisches Denken. Obama glaubt, dass sich die Revolution durch solche Methoden zum Sturz bringen lässt. Doch die Entwicklungsprobleme der Revolution sind nur unsere Probleme. Wie wir sie meistern, haben nicht die US-Amerikaner zu entscheiden“, betonte Cruz.

    In einem Kommentar der chinesischen amtlichen Agentur Xinhua hieß es: „Barack Obamas Besuch wird als historischer Schritt des Weißen Hauses eingestuft. Für eine grundlegende Verbesserung der Beziehungen mit Havanna muss Washington allerdings andere Länder als gleichberechtigte Mitglieder der internationalen Gemeinschaft behandeln und darauf verzichten, ihnen seine Ideologie aufzuzwingen.“

    „Die beiden Länder haben die strategische Absicht hervorgebracht, ihre seit einem halben Jahrhundert dauernde Fehde zu beenden und einen Kuba-Besuch des US-Präsidenten zu ermöglichen. Eine Verbesserung der Beziehungen mit Kuba soll Teil des außenpolitischen Erbes von Präsident Obama werden. Im Moment wäre es jedoch verfrüht, von einem endgültigen ‚Tauwetter‘ im kubanisch-amerikanischen Verhältnis zu sprechen, denn zwischen den beiden Ländern gibt es riesige und grundsätzliche Differenzen“, so der chinesische Kommentar weiter. 

    „Indem die USA sich selbst als ‚Leuchtturm der freien Welt‘ betrachten, zwingen sie ihre Ideen immer wieder anderen Ländern mit anderen Kulturen und Traditionen grob auf. Und was resultiert daraus? Die Konflikte im Nahen Osten, das Atomproblem der Koreanischen Halbinsel und die Ausbreitung des Extremismus im Westen. Zwar hat Obamas Besuch tatsächlich eine positive Bedeutung für die beiden Länder mit ihren unterschiedlichen Ideologien. Doch Washington muss seine bisherigen Fehler gegenüber dem Inselstaat auf eine ernstzunehmende Weise wettmachen“, mahnt Xinhua.

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    Tags:
    Barack Obama, Kuba, USA