08:11 24 September 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Migrationsproblem in Europa (1282)
    7335
    Abonnieren

    Unter dem Motto „Krieg ist Terror und damit muss Schluss sein!“ demonstriert die Berliner Friedenskoordination am 26. März dagegen, dass die westlichen Regierungen auf die Probleme im Nahen Osten und in anderen Regionen der Welt mit Gewalt reagieren.

    Mehr als sechzig Millionen Menschen – so viele wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs – sind auf der Flucht vor Krieg, Zerstörung und Perspektivlosigkeit, sagte die FriKo-Moderatorin Laura von Wimmersperg, die sich seit 35 Jahren in der Friedensbewegung engagiert, im Sputnik-Interview mit Nikolaj Jolkin.

    „Viele, die bei uns Zuflucht suchen, kommen aus Ländern, die Opfer von Angriffen von NATO-Staaten oder ihrer Verbündeten wurden, wie Jugoslawien, Afghanistan, Irak und Libyen. Diese Kriege zerstörten ihre Lebensgrundlagen und beförderten terroristische Milizen. Deswegen kommen wir zum Ostermarsch mit dem Aufruf,Fluchtursachen bekämpfen – nicht Flüchtende‘.“

    Man erzeuge neue Terroristen, wenn man selber so terroristisch vorgehe, wie die Nato im Nahen Osten, wo man mit jeder Bombe das Leid für die Leute bringe, so die Aktivistin. „Wenn man überlegt, wieviel Menschen in diesen Kriegen seit dem Jugoslawien-Krieg über Irak, Afghanistan und Libyen bis jetzt in Syrien umgekommen sind, ist klar, warum ein unglaublicher Zorn erzeugt wird.“

    Jeder Euro, der für eine größere Bundeswehr und neue Geschenke an die Rüstungsindustrie zusätzlich ausgegeben werde, fehle da, wo er wirklich wirksam wäre: Bei der Bekämpfung der Flucht- und Kriegsursachen, der Integration der Geflohenen, bei der zivilen Krisenprävention und bei der Konversion der Rüstungsindustrie, zitiert die Friedenskämpferin den Ostermarsch-Aufruf.

    Sie hat auch ihre Besorgnis zum Ausdruck gebracht, dass die Atomwaffen in der politischen Überlegung als Strategie wieder aufgelegt werden und dass dies sich gegen Russland richtet. Laura von Wimmersperg will auch dieses Anliegen auf die Straße bringen. „Wir kritisieren sehr“, fügt sie hinzu, „dass der türkische Präsident Erdoğan als Partner Deutschlands in der Flüchtlingsfrage aufgewertet wird. Wir finden, dass dieser Diktator kein Partner für einen demokratischen Staat Deutschland gerade in so einer humanistischen Sache sein kann, wie die Flüchtlingsfrage.“

    Ein Katalysator der Friedensbewegung sei die Angst, so Laura von Wimmersperg. „In Gesprächen auf der Straße kann man feststellen, dass die Leute nicht nur Angst haben, sondern auch dass sie entsetzt sind, weil der Krieg selbstverständlich geworden ist. Zwar ist die Quotenablehnungszahl gegen den Krieg vor einigen Jahren in Deutschland etwas abgesunken, jetzt aber ist sie mit 70 Prozent wieder angestiegen.

    Die Feststellung, dass es an einem Bündnis unterschiedlicher religiöser Kräfte und politisch Engagierter von  Linken bis zur Konservativen in der Idee friedlicher Konfliktlösung, das in den 80er Jahren die starke Ausstrahlungskraft der Friedensbewegung machte, aktuell mangelt, hält die Friedenskämpferin für falsch, weil die Berliner Friedenskoordination mit Gewerkschaften und anderen Organisationen nach wie vor eng zusammenarbeite. „Früher haben sich die engagierten Leute zu Gruppen zusammengeführt“, erinnert sie sich. „Durch das Internet kommunizieren sie aber jetzt als Einzelpersonen. Das Bewusstsein über den Krieg ist nicht schlechter geworden, es ist nur schwerer, die Leute auf die Straße zu bringen. Sie fragen sich oft, was nützt es, wenn sie auf die Straße gehen. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, warum die Friedensbewegung nicht so stark ist. Wir haben aber eine gewisse Hoffnung, dass sich jetzt etwas wieder entwickelt, weil das Problem immer mehr im Fokus der Leute ist.“

    Vom 25. Bis 28. März 2016 werden bundesweit zahlreiche Ostermarschaktionen stattfinden, die darauf aufmerksam machen, dass die Flucht Hunderttausender nach Europa Ursachen hat. Ursachen, für die die Politik Deutschlands mitverantwortlich ist. In Berlin startet der Ostermarsch am Samstag um 12 Uhr ab dem Hermannplatz (Bln-Neukölln). Die Abschlusskundgebung findet am Oranienplatz (Bln-Kreuzberg) statt. Redner: Dr. Horsta Krum (Theologin), Erdogan Kaya (DIDF, türk. Organisation), der zur Rolle der Türkei spricht. Der iranische Prof. Dr. Mohssen Massarrat (Uni Osnabrück) nimmt zur Kriegssituation in der Region Stellung.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Migrationsproblem in Europa (1282)

    Zum Thema:

    Virologe Christian Drosten: „Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen“
    Nawalny, Timoschenko, Juschtschenko – viele Fragen, wenige Antworten
    Russische Fregatte kollidiert mit Kühlschiff einer Schweizer Reederei
    „Arglist ist ein Zeichen von Schwäche“ – Experte zur US-Koalition gegen Nord Stream 2
    Tags:
    Migranten, FriKo, Nikolaj Jolkin