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    Hürden für Neuanfang: Washingtons „Arroganz“ und Moskaus „Komplexe“

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    Politik
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    Russland und die USA betrachten einander nach wie vor durch das Prisma des Kalten Krieges – Chancen auf eine Verbesserung gibt es kurzfristig kaum. Doch künftig gäbe es ein vielversprechendes Thema für bilaterale Kontakte, meint der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow. Er erklärt, was unter „globaler Verwaltung“ zu verstehen ist.

    Lukjanow schrieb in einem Gastbeitrag für die „Rossijskaja Gaseta“: „Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington werden in der internationalen Agenda nie mehr jenen Platz einnehmen, der ihnen während des Kalten Krieges zugestanden hatte. Damals bildeten sie eigentlich den Kern der Weltpolitik. Diese ist nun vielfältiger und dichter bevölkert: Viele Akteure handeln unabhängig von den Großmächten oder konnten ihr eigenes Gewicht erhöhen. Trotzdem zeigte der Fall Syrien noch einmal, dass vieles nach wie vor von Russland und den USA abhängt. Gibt es nun eine Chance darauf, dass sich ihre gegenseitige Wahrnehmung verbessert?“

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    Der Experte prognostizierte: „In absehbarer Zukunft gibt es wenig Hoffnung darauf. Die beiden Länder betrachten einander durch das Prisma des Kalten Krieges. Genauer gesagt, durch das Prisma seiner Folgen. Denn die Interpretation seines Finales ist jetzt – 25 Jahre danach – auf den beiden Seiten grundsätzlich unterschiedlich. Das betrifft sogar die Frage, wer eigentlich gewonnen und wer verloren hat.“

    Lukjanow erläuterte: „Die Vereinigten Staaten bescheinigen Russland Verstöße gegen das ‚Übereinkommen‘, d.h. gegen jene Weltordnung, die nach 1991 entstanden war. Jeden Schritt Moskaus, der von einem Ablehnen der damals etablierten Hierarchie zeugt, deutet Washington als etwas Rechtswidriges. Und Russland streitet eigentlich ab, dass sich damals überhaupt eine Ordnung etabliert hatte. Die US-Aktivitäten seit Anfang der 1990er Jahre interpretiert Moskau als konsequente Zerstörung der Normenbasis aus der früheren und stabileren Welt.“

    „Damit das russisch-amerikanische Verhältnis in eine andere Phase übergeht, bräuchte man einen neuen Blickwinkel. Es wäre nötig, jene nach dem Kalten Krieg entstandene Trägheit zu überwinden“, so Lukjanow.

    Er konkretisierte, was Washington und Moskau derzeit voneinander halten: „Die USA haben die ziemlich arrogante Vorstellung, wonach Russland sich einfach nicht ‚aufspielen‘ dürfe und sich mit seinem regionalen Status abfinden müsse. Dessen Rahmen soll sich dabei nicht etwa nach Russlands Wunsch richten, sondern eher danach, was wichtigere Akteure den Russen erlauben. Russland betrachtet die USA indes hartnäckig als Ursache jedweden Unheils – diese Betrachtungsweise ist etwas krankhaft und beinahe gleichsetzbar mit dem Glauben an eine amerikanische Omnipotenz. Das ist ein verborgener Komplex, der wiederum im Ausgang des Kalten Krieges wurzelt.“

    Diese gegenseitige Wahrnehmung sei eigentlich erklärlich, aber langfristig kontraproduktiv, so Lukjanow weiter. Trotzdem sieht er „erste Hinweise darauf, dass sich die Wahrnehmung zu ändern beginnt“.

    Laut Lukjanow könnte sich die „globale Verwaltung“ für Russland und Amerika künftig als mehr versprechendes Thema erweisen: „Nicht in dem Sinne, dass Moskau und Washington den Planeten unter anderen aufteilen; dies wird nie mehr passieren. Doch von der Gesamtheit der Faktoren her (dem militärdiplomatischen Potenzial, dem politischen Willen und der Großmacht-Tradition) haben Russland und die USA die besten Möglichkeiten, um Konflikte zu regeln und wichtige Vorgänge zu stimulieren.“

    Nach Ansicht von Lukjanow ist der gegenwärtige Versuch, die Bemühungen in Sachen Syrien zu vereinigen, zwar eine Ausnahme, doch künftig könnten solche Versuche „normaler“ werden: „Zumal es für Russland leichter wäre, mit einem souveränen Staat wie beispielsweise den USA zu arbeiten, als mit der EU, wo der Entscheidungsprozess zersplittert und durch die mehrstufige Struktur erschwert ist.“

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    Tags:
    Kalter Krieg, Fjodor Lukjanow, Syrien, USA, Russland