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    Junge Migrantin in der türkischen Küstenstadt Izmir

    Schockierende Wahrheiten über Zwangsabschiebung syrischer Flüchtlinge aus der Türkei

    © AFP 2019 / Ozan Kose
    Politik
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    Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International teilt in ihrem Bericht mit, dass die Türkei syrische Flüchtlinge beschießt und sie nach der Unterzeichnung des Flüchtlingsdeals mit der EU illegal in die Heimat abschiebt. Der Flüchtlingsdeal tritt in der nächsten Woche in Kraft.

    Die EU und die Türkei haben am 18. März ein Flüchtlingsabkommen vereinbart. Demnach sollen alle illegalen Einwanderer, die nach dem 20. März nach Europa einreisen, in die Türkei überstellt werden. Die Kosten für die überstellung übernimmt die EU. Ankara bekommt von der EU rund sechs Milliarden Euro.

    Amnesty International zufolge begannen die türkischen Behörden bereits Mitte Januar mit der Zwangsabschiebung syrischer Flüchtlinge. „Bei den verzweifelten Versuchen, ihre Grenzen zu sperren, ignorieren die europäischen Spitzen bewusst die Tatsache, dass die Türkei kein sicheres Land für syrische Flüchtlinge ist und mit jedem Tag gefährlicher wird“, so der Direktor für Europa und Zentralasien von Amnesty International, John Dalhuisen.

    Laut einem Vertreter der Menschenrechtsorganisation bringt die Massenabschiebung der syrischen Flüchtlinge die negativen Nachteile des Abkommens zwischen der EU und der Türkei ans Licht, dessen Umsetzung nur bei einem völligen Ignorieren des Völkerrechts erreicht werden kann.

    Amnesty International führt als Beispiel die Zwangsabschiebung von drei Kindern ohne Begleitung durch die Eltern sowie die Abschiebung einer Frau, die im achten Monat schwanger ist, an.

    „Die Unmenschlichkeit und das Ausmaß der Zwangsabschiebungen beeindrucken. Die Türkei muss sie unverzüglich stoppen“, so Dalhuisen. Die meisten Abgeschobenen sind nicht als Flüchtlinge gemeldet, doch es gibt auch legale Flüchtlinge, die von türkischen Behörden festgenommen wurden, weil sie keine entsprechenden Dokumente bei sich hatten.

    Dem Bericht zufolge befinden sich derzeit rund 200.000 Flüchtlinge an der türkischen Grenze in Syrien. Nach Angaben der humanitären Organisationen leben die Flüchtlinge in den Lagern unter unmenschlichen Bedingungen, ohne sauberes Wasser und Wasserleitungen. In den Lagern kommt es zu Entführungen mit anschließender Erpressung. Um in die Türkei geschmuggelt zu werden, müssen Flüchtlinge 1000 US-Dollar an die Schlepper bezahlen.

    Die britische Zeitung „Times“ hatte zuvor berichtet, dass die türkischen Grenzsoldaten mehrmals Flüchtlinge unter Beschuss nahmen. In den letzten vier Monaten wurden 16 Einwanderer, darunter drei Kinder getötet, so die Menschenrechtler. Nach anderen Einschätzungen könnte die Zahl sogar noch höher sein.

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    Tags:
    Migranten, EU, Türkei