07:14 29 November 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    18834
    Abonnieren

    Die Doppelmoral, die der Westen im Verhältnis mit Russland praktiziert, ist nach Ansicht des Focus-Online-Experten Christian Osthold destruktiv und auch unbegründet. Diese Doppelmoral trete nach seinen Worten nach der Angliederung der Krim an die Russische Föderation besonders auffällig an den Tag.

    „Im Gegensatz zur moralisierenden Kritik der EU, insbesondere aber der USA, die versucht, die Annexion der Krim als Bruch des Völkerrechts zu inkriminieren, ist die Politik Moskaus durchaus plausibel“, stellt Osthold fest. „Denn bei ihr handelt es sich um ein Gebiet, das historisch eng mit Russland verbunden ist.“

    „Obwohl die Krim 1991 bei der Ukraine verblieb, bekannte sich die überwiegende Mehrheit ihrer Bevölkerung stets zu Russland“, heißt es in seinem Beitrag. „Dies galt indes nicht nur für ethnische Russen, sondern auch für zahlreiche Ukrainer, die Russisch als Muttersprache sprachen, sich politisch Moskau verbunden und durch den 2014 in Kiew erfolgten Machtwechsel bedroht fühlten.“

    Mehr zum Thema: Die sieben größten außenpolitischen Fehler der USA

    Der Experte sieht geopolitische Hintergründe in der Entwicklung der Einstellung des Westens gegenüber Russland: „Hatte man sich in den 1990er Jahren vehement geweigert, Russland noch als Großmacht ernst zu nehmen und es wegen der verstörenden Auftritte Präsident Jelzins oftmals belächelt, ist die westliche Perzeption seit 2000 von einem Paradigmenwechsel geprägt.

    Ihm zufolge wird das erstarkende Land zunehmend als Bedrohung empfunden und deswegen für seine Außenpolitik immerfort moralisch kritisiert. "Wie absurd der Vorwurf tatsächlich ist, Russland verfolge das Ziel, das demokratische Europa zu zerstören, illustriert nun die Krimkrise.“

    „Warum aber werden im Westen weder die USA, die bis heute (teilweise ohne UN-Mandat) in eine Vielzahl von Ländern einmarschiert sind, noch Großbritannien als Despoten verunglimpft, die das Völkerrecht mit Füßen treten?“ fragt Osthold. „Womöglich deshalb, weil solches Verhalten vorderhand gar nichts mit Totalitarismus, sondern mit der Mechanik dessen zu tun hat, wie Großmächte ihre Interessen vertreten – ein Mechanismus, den Europa offenbar vergessen hat und deshalb auch Russland nicht zugestehen will.“

    „Dies gibt ihnen aber nicht das Recht, Russland für das Gegenteil moralisch zu verurteilen; besonders dann nicht, während der engste Verbündete seit Jahrzehnten nahezu unbehelligt das Gleiche tut“, schlussfolgert der Autor.

    Der Focus-Online-Kolumnist Christian Osthold ist Russland-Historiker. Derzeit promoviert er am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Universität Göttingen über den Islamismus im Nordkaukasus.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    UN-Tribunal für Bush und Obama – „Warum eigentlich nicht lebenslänglich?“
    Putin: Politische und militärische Konkurrenz nur im Rahmen der moralischen Normen
    Putin hat „moralischen Imperialismus“ der USA entlarvt
    Russen über USA: "Moralisch verfallen und hochkriminell"
    Tags:
    Ukraine, Russland, USA