10:39 01 Dezember 2020
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    "In einem sehr guten Fahrwasser" befindet sich derzeit der deutsch-russische Dialog nach Ansicht von Prof. Dr. Wilfried Bergmann, Vorstandsmitglied des Deutsch-Russischen Forums, das am Samstag den Rundtisch „Auf dem Weg zum Vertrauen“ in Sotschi abhält.

    „Ich glaube, dass der Dialog im Moment in einem sehr guten Fahrwasser ist, von daher ist die Stimmung auch erwartungsvoll, dass wir wieder etwas zur Verbesserung der etwas ramponierten deutsch-russischen Beziehung tun können“, sagte er in einem Gespräch mit Sputnik.

    Die bestehenden Schwierigkeiten lassen sich Bergmann zufolge überwinden: „Es hat sich Gott sei Dank die Erkenntnis durchgesetzt, wie wichtig diese vertrauensbildenden Maßnahmen sind und dass es eine vernünftige Alternative dazu eigentlich überhaupt nicht gibt. Natürlich bedeutet Verstehen, dass man auch unterschiedliche Positionen haben kann – das bereichert nur einen Dialog, denn es ist ja keine Chor-Veranstaltung, sondern das Gespräch.“

    „Sanktionen muss man einfach nicht verlängern“

    Er habe von Anfang an große Zweifel gehabt, ob der Weg der Sanktionen überhaupt vernünftig sei: „Ich glaube daher, dass man die Sanktionen zurückfahren muss. Die Sanktionen haben im Ergebnis beiden Seiten wesentlich mehr geschadet, als sie je genützt haben. Dabei treten die Sanktionen automatisch außer Kraft, wenn sie nicht verlängert werden – man muss also nicht eine Entscheidung treffen, sie aufzuheben, man muss sie lediglich nicht verlängern. Diejenigen, die sagen, sie heben die Sanktionen schrittweise auf, befinden sich nicht in Übereinstimmung mit den Vertragstexten. Ich gehe davon aus, dass wir zumindest teilweise bereits im Sommer zu einer Nicht-Verlängerung kommen.“

    Man müsse im deutsch-russischen Dialog bei den Gemeinsamkeiten anfangen, so Prof. Bergmann weiter: „Wir haben viel mehr Übereinstimmung als Punkte, in denen wir Dissens haben. Das haben etwa Papst Franziskus und Patriarch Kyrill gemacht: Sie haben in der Havanna-Erklärung aufgeschrieben, wo sie positiv übereinstimmen.“

    Den von Michail Gorbatschow stammenden Begriff „Das gemeinsame Haus Europa“ hält Bergmann für nach wie vor treffend: „Wir leben auf einem Kontinent. Es wird beiden Ländern nicht gut gehen, wenn es einem von ihnen schlecht geht. Wir haben ein Interesse, auf gleicher Augenhöhe miteinander umzugehen. Das sehen nicht alle in der Welt so, das weiß ich. Man muss immer fragen, wer profitiert von einem Streit. Wir in Europa können davon nicht profitieren.“  Russland habe hier einen sehr wichtigen Platz: „Es muss eines der  wichtigen Themen sein, die Wirtschaftszone von Lissabon bis nach Wladiwostok voran zu bewegen.“

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    Tags:
    Sanktionen, Wilfried Bergmann, Russland, Deutschland