19:37 01 Juni 2020
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    Die Politik abzurüsten heißt vor allem die Sprache abzurüsten - darauf einigten sich die Teilnehmer des deutsch-russischen Seminars zum Thema „Das neue politische Lexikon in den deutsch-russischen Beziehungen“ am 6. April in Moskau.

    „Ich habe noch im vergangenen Jahr bei den Potsdamer Begegnungen sehr deutlich gemerkt, dass die Basis eines vernünftigen Miteinanders auch die Sprachfähigkeit ist. Es lohnt sich, auch über politische Begrifflichkeiten und Lexik zu reden, damit wir nicht aneinander vorbeireden.  Man muss Unterschiede nicht unter den Tisch kehren, sondern sie deutlich benennen, aber man muss sich dabei verstehen können“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Deutsch-Russischen Forums e.V. Matthias Platzeck beim deutsch-russischen Seminar in Moskau.

    Gerade der Begriff „Russland-Versteher“ hat sich jedoch vor einiger Zeit als ein Schimpfwort in dem deutsch-russischen Dialog etabliert. Von dieser Konfrontation zur erfolgreichen Partnerschaft zurückzukehren, ist nach Meinung von Alexej Kusnetsow, Chef des Zentrums für europäische Forschungen am Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen, momentan die wichtigste Aufgabe: „Der Sanktionen-Krieg zwischen dem Westen und Russland hat in der Tat das gegenseitige Vertrauen untergraben. Er hat darüber hinaus die Wirtschaftsbeziehungen sehr stark beeinträchtigt. Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, dieses Vertrauen wiederherzustellen und zu jenem hohen Niveau der Partnerschaft zurückzukehren, das wir bis vor kurzem erfolgreich gepflegt haben.“

    „Wir müssen nicht gleich sein“

    Die Partnerschaft solle dabei nicht bedeuten, dass man gleich sei, meint dazu Tobias Zech, Abgeordneter des Deutschen Bundestages und stellvertretender Vorsitzender der EVP-Fraktion in der parlamentarischen Versammlung des Europarats: „Wir müssen nicht gleich sein und nicht alle Werte teilen, aber wir müssen die grundlegenden Werte teilen und ähnliche Interessen haben. Wir müssen vielleicht das neue Narrativ finden: Was sind die unverrückbaren Werte in unseren Beziehungen, auf denen wir alles aufbauen.“

    Russland sei als Nachbar ökonomisch und strategisch sehr wichtig: „Ich darf dem Deutsch-Russischen Forum danken, dass Sie diese Idee der gemeinsamen Wirtschaftszone von Lissabon bis nach Wladiwostok nie aufgegeben haben. Wir müssen die Sanktionen dringend auf den Prüfstand bringen. In der Zeit der größten diplomatischen Krise zwischen unseren Ländern ist es Wahnsinn, dass sich Diplomaten von unterschiedlichen Ländern nicht reisen lassen.“

    Worauf das neue Narrativ zwischen Deutschland und Russland aufbauen wird, ließen die Teilnehmer des Seminars schon einstimmig erkennen: Beiden Ländern gehe es darum, den Frieden zu sichern und enger zusammenzuarbeiten. Ein weiterer gemeinsamer Schritt auf diesem Weg soll das Treffen des Petersburger Dialogs sein. Dieses findet unter dem Motto „Der deutsch-russische Dialog: Auf dem Weg zum Vertrauen und globaler Sicherheit“ am 9. April in Sotschi statt.

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    Tags:
    Alexej Kusnetsow, Matthias Platzeck, Deutschland, Russland