00:07 04 Dezember 2020
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    Trotz der Ukraine-Krise und der Sanktionen bemüht sich Deutschland auf politischem und wirtschaftlichem Wege wieder um einen Dialog mit Russland, wie Russland-Experte Alexander Rahr feststellt.

    Kennzeichnend dafür waren die jüngsten Russland-Besuche einer Delegation des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, die von Präsident Wladimir Putin empfangen wurde, sowie einer größeren Gruppe von Bundestagsabgeordneten, die das Deutsch-Russische Forum nach Moskau und zu einem Treffen mit Kollegen der russischen Staatsduma holte.

    Bei dieser Begegnung verwies Staatsduma-Vorsitzender Sergej Naryschkin auf die Notwendigkeit, ein „politisches Lexikon“ zu begründen, um zahlreiche Missverständnisse bei den bilateralen Debatten zu vermeiden, schreibt Rahr in seinem Beitrag für die „Huffington Post“.  

    „Ein und derselbe Sachverhalt oder politische Begriff hat in dem jeweils anderen Land eine andere Bedeutung“, so der Experte. „Manche Metaphern, Aussagen, Anekdoten, die ein russischer Politiker gebraucht, klingen schrill und befremdlich in den Ohren eines Deutschen. Die russischen Zuhörer können wiederum aufgrund eigener historischer Traditionen mit der olitical correctness deutscher Politiker und Politologen wenig anfangen.“

    Unter anderem sollte ein solches Lexikon bei der Überwindung von Unterschieden in der Auslegung solcher Begriffe wie Zivilgesellschaft, Mittelstand,  Perestroika, Menschenrechte und Vergangenheitsbewältigung helfen.

    „Gerade was Menschenrechte anbetrifft, herrschen auf beiden Seiten unterschiedliche Auffassungen“, konstatiert Rahr. „Die Russen fragten, warum Bundeskanzlerin Angela Merkel den Schmähsong der Gruppe Pussy Riot auf den russischen Präsidenten als Freiheit der Kunst bezeichnete, das Schmähgedicht von Jan Böhmermann auf den türkischen Präsidenten jedoch als geschmacklos verurteilte. Warum wird Böhmermann in Deutschland vor Gericht gestellt, die Pussy Riot Aktivistinnen dagegen im Westen auf Händen getragen? Wird hier mit zweierlei politischem Maß gemessen oder herrscht im Fall der Türkei eine besondere Staatsräson vor, die über den Werten steht?“

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    Tags:
    Sergej Naryschkin, Alexander Rahr, Russland, Deutschland