00:40 06 August 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    389113
    Abonnieren

    Die Meinung einiger Russen, dass ihr Land von Feinden umgeben ist, teilt Peter Schulze, Professor für Politikwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen, nicht.

    Wegen der Ukraine haben sich zwar die Beziehungen zwischen Russland und EU verschlechtert, jetzt normalisieren sich aber die Beziehungen langsam wieder, weil man mit der Sanktionspolitik wenig erreicht habe, sagte er in einem Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. Die Sanktionen „treffen nur Unschuldigen, d.h. die Bevölkerung in Russland.“ 

    Jedoch verhalte sich Wladimir Putin auch in dieser Situation souverän und diplomatisch. „So antwortete er jüngst auf die Frage: Wen er retten wird, wenn Poroschenko oder Erdogan ertrinken würden:,Wenn jemand ertrinken will, kann man ihn nicht mehr retten‘. Aber als ein anständiger und sportlich gestählter Mensch würde Wladimir Putin doch ins Wasser stürzen und beide retten“, ist sich der Russland-Experte sicher. 

    „Die russische Position des geduldigen Abwartens, bis sich die politische Situation etwa in der Türkei so entwickelt, dass eine Geste der Vergebung oder der Verzeihung nach Russland richtet, verdient Beachtung.“

    Eine gewisse Rationalität im Handeln der türkischen Regierung sei aus der Sicht des Politologieprofessors im Augenblick allerdings sehr schwer zu erkennen. 

    Zu Panama-Papers meint Peter Schulze, dass es eine Zeitbombe sei, die langsam explodiere. „Zwar wurde Putins Name nirgendwo erwähnt, läuft aber gegen ihn durch Bücher und Zeitungsartikel seit geraumer Zeit eine systematisch gesteuerte Kampagne. Und das hat natürlich eine Wirkung, indem man Russland dämonisiert und marginalisiert.“ 

    Das sei sicherlich der Sinn der ganzen Geschichte. Die Haltung von Putin, auf solche Vorwürfe nicht zu reagieren und sich auf die Verleumdungen nicht einzulassen, schätzt der Politologe als eine staatsmännische Haltung. Der sollten auch andere Präsidenten und Kanzler Europas und der USA folgen, meint er. 

    Was die Aufhebung der Sanktionen betrifft, so sei der russische Präsident ein Realist, wenn er meine, dass der Westen dies in der nächsten Zeit nicht tue, führt der Russland-Experte weiter aus. „Die Sanktionen wurden nicht von der EU verhängt. Angefangen hat es mit den USA. Bis die Präsidentschaftswahlen in den USA im November dieses Jahres stattfinden, wird es keine Veränderungen geben. Und danach wird man sehen, wer der Präsident wird und wie er entscheidet.“ 

    Peter Schulze hält es aber für möglich, dass die EU und Russland auf bilateralen oder multilateralen Ebene zu einer Einigung kommen und dass bestimmte Gruppen der Sanktionen und Gegensanktionen aufgeweicht werden können. „Denn die Einbußen für die europäischen Länder sind erheblich. Der Handel Russlands mit Österreich ist um über 30 Prozent zurückgegangen und mit Deutschland um 40 Prozent. In einigen Branchen sogar noch mehr. Es gibt von der Wirtschaft ein großes Interesse, dass hier ein Kompromiss gefunden wird. Das ganze hängt aber an den USA.“ 

     

     

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    „Böse Russen“: Doppelmoral des Westens gegenüber Moskau - Experte
    Financial Times: Putin hat die Weltordnung verändert
    Österreichs Vize-Parlamentschef Kopf: Russland spielt weltpolitisch in Top-Liga
    Staatsduma-Chef appelliert an Europa: Sinnlose Konfrontation beenden
    Tags:
    Position, Sanktionen, Peter Schulze, Wladimir Putin, Europäische Union, Türkei, Russland