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    Wahl in Amerika, Blick aus Russland: „Mantras von alternativloser US-Führerschaft“

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    Keiner der US-Präsidentschaftsbewerber hat ein bündiges außenpolitisches Programm – nur Donald Trump ist in gewisser Hinsicht eine Ausnahme. Trumps Wahlparolen sind allerdings nicht direkt umsetzbar. Darauf weist der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow hin – und beschäftigt sich mit möglichen Folgen der US-Wahlen für Moskau.

    Lukjanow schreibt in einem Gastbeitrag für die Onlinezeitung gazeta.ru: „Die Vorwahlen in New York scheinen im US-Wahlmarathon alles allmählich ins rechte Lot zu bringen. Nur ein Wunder kann Hillary Clinton daran hindern, die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten zu werden. Bei den Republikanern gibt es zwar weniger Klarheit, es nimmt aber die Wahrscheinlichkeit zu, dass die endgültige Entscheidung darüber, wer die ehemalige First Lady herausfordern soll, nicht während der Vorwahlen, sondern beim Parteitag fallen wird.“

    „In Russland ist die Behauptung üblich, dass es für uns keinen besonderen Unterschied macht, wer ins Weiße Haus einzieht. Dieser Standpunkt ist nicht unbegründet. Erstens ist der US-Präsident trotz seiner riesigen Macht kein Alleinherrscher und kann die Stimmung in der Gesellschaft nicht drastisch ändern. Die politische Atmosphäre wird mehr vom Kongress gestaltet, dessen Abgeordnete eine ziemlich bestimmte und negative Haltung zu Russland haben“, postuliert der Experte.  

    Mehr zum Thema: Kreml bedauert: „Dämonisierung Russlands“ wird Attribut des US-Wahlkampfes

    „Während der großen nuklearen Konfrontation (besonders nach der Kubakrise) hatten sich die Staatsführungen der beiden Länder notgedrungen – unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit und von ihren ideologischen und politischen Vorlieben – hauptsächlich von realistischen Ansätzen leiten lassen. Diese beruhten auf der Idee einer Kräftebilanz. Deren Verletzung konnte schwere Folgen haben, deshalb musste man seine Ambitionen zügeln. Doch nach dem Zerfall der Sowjetunion gewann eine entgegengesetzte Idee Vorrang, an der sich Vertreter der beiden US-Parteien festhielten. Demnach brauche man keine Balance mehr, dafür aber eine Umgestaltung der Welt im Sinne der liberalen Ideologie, die ihre Richtigkeit nachgewiesen habe“, so Lukjanow. 

    Er schreibt weiter: „Nun verläuft die amerikanische Diskussion vorerst in einem ziemlich engen Raum der Ausführungen, wonach die Führerschaft und die Ausschließlichkeit der USA in der Welt alternativlos seien. Diese Mantras werden von allen Präsidentschaftsbewerbern rezitiert, obwohl niemand von ihnen ein bündiges außenpolitisches Programm auftischt. Meistens kritisiert man Barack Obama und/oder setzt auf ‚Ich weiß, wie es besser geht‘-Parolen.“

    „Seltsamerweise lässt sich eine Art konsequenter Kurs bei Donald Trump verfolgen. Er sagt, Amerika müsse damit aufhören, Europa im Sicherheitsbereich zu ‚beköstigen‘, während sich Japan und Südkorea um ihre Verteidigung vor dem nuklearen Nordkorea selbst kümmern müssten. Diese skandalösen Erklärungen spiegeln den Kurs auf weniger Bürde und Verantwortung wider. Und dieser Kurs findet bei immer mehr US-Amerikanern Resonanz. Zwar wird all dies so direkt, wie Trump verspricht, nicht in Erfüllung gehen, doch jeder Präsident wird die verkomplizierte internationale Lage berücksichtigen müssen“, so der Kommentar. 

    Daraus könnte nach Ansicht des Experten eine weniger ideologisierte Agenda resultieren – während der nächsten oder übernächsten US-Präsidentschaft: „Dann wäre auch eine Rehabilitierung des politischen Realismus möglich, die Moskau natürlich begrüßen würde“.

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    US-Präsidentschaftswahl 2016, Fjodor Lukjanow, Donald Trump, Hillary Clinton, Russland, USA