18:30 22 Juni 2017
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    Gauland: Muslime gehören zu Deutschland - der Islam nicht

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    Politik
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    Mit ihrer Einstellung zum Islam hat die Alternative für Deutschland besonders viel Kritik einstecken müssen. Der stellvertretende Bundessprecher der AfD, Doktor Alexander Gauland, erwidert, dass er und seine Partei sehr wohl zwischen moslemischen Privatbürgern in Deutschland und dem Islam unterscheiden, der „von vornherein politisch“ sei.

    Herr Dr. Gauland, Sie wollen im AfD-Grundsatzprogramm erklären, dass der Islam nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Was ist Ihr Problem mit dem Islam?

    Der Islam ist keine Religion wie katholisch, evangelisch oder orthodox, sondern eine Religion, die keine Trennung zwischen Staat und Gesellschaft vornimmt. Wenn Sie sich die Säulen des Islam anschauen, also den Koran, die Sprüche und das Leben Mohammeds und die Scharia, dann haben Sie in der Scharia Regeln für das staatliche und gesellschaftliche Zusammenleben. Das ist nicht Aufgabe einer Religion. Das hat der Islam nun mal so für sich entschieden und von daher ist das problematisch mit einer freiheitlichen Verfassung.

    Scheren Sie damit nicht alle Muslime über einen Kamm? Es gibt doch eine Menge unterschiedlicher Strömungen und die meisten Muslime verhalten sich vollkommen gesetzeskonform.

    Dagegen sagt ja auch keiner etwas. Wir sagen ja, dass Muslime natürlich zu Deutschland gehören und wer seine Religion privat lebt, mit dem habe ich auch kein Problem. Nur muss ich mir doch anschauen, was der offizielle Islam bekennt. Da wäre es ein einfacher Weg, wenn die Islamverbände, die unsere Haltung jetzt kritisieren, sagen würden: Wir verzichten auf die Scharia, die gilt für uns nicht mehr. Den Satz habe ich aber nirgends gehört. Also gibt es weiter eben diese Nicht-Trennung von Staat und Kirche, die mit dem Grundgesetz kaum zu vereinbaren ist.

    Würden Sie ein laizistisches System wie in Frankreich favorisieren?

    Das kann man so wie in Frankreich machen – so weit geht die Trennung bei uns in Deutschland ja nicht. Der Staat nimmt Kirchensteuern ein und führt sie an die Kirchen ab. Das heißt, es gibt bestimmte Elemente der Verbindung. Das ist völlig richtig, dagegen habe ich überhaupt nichts. Nur der Islam ist eben von vornherein politisch. Es gibt einen schönen Ausspruch von Khomeini, der gesagt hat: Der Islam ist politisch oder er ist nicht. Das zeigt die Problematik.

    Was für konkrete Maßnahmen haben Sie denn im Sinn, wenn es um den Islam in Deutschland geht?

    Ich habe gar keine konkreten Maßnahmen im Sinn. Ich frage mich nur, ob es nicht Aufgabe der Islamverbände, der Gemeinden ist, diese Frage zu diskutieren und klarzustellen.

    Ihr ehemaliger Parteivorsitzender Bernd Lucke findet es „erschütternd“, dass Sie sagen, der Islam sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Weiterhin meint er, der Koran sei 1000 Jahre vor dem Grundgesetz entstanden und man könne nicht erwarten, dass er mit dem Grundgesetz konform wäre. Was meinen Sie dazu?

    Es ist eine komische Argumentation. Es ist völlig richtig, dass der Koran lange vorher entstanden ist. Aber ich muss überlegen, wenn ich mich in einen Staat oder eine Gesellschaft integriere, ob das, was ich lehre und predige, mit den Regeln dieses Staates vereinbar ist. Auch die katholische Kirche, die sogar älter ist als der Islam, hat sich natürlich verändert und ist mit dem Grundgesetz vereinbar. Das heißt, historische Entwicklungen haben die katholische Religion zu etwas gemacht, was ohne Schwierigkeiten vereinbar ist mit den demokratischen Regeln eines freiheitlichen Rechtsstaates. Der Islam ist bei bestimmten Positionen geblieben, die  – das hat mal Atatürk gesagt, das ist nicht sehr nett – von einem Beduinenstamm aus dem frühen Mittelalter stammen, und hat dieses System nicht der Moderne angepasst. Das ist das Problem.

    Machen Sie damit nicht Millionen von muslimischen Mitbürgern automatisch zu Verfassungsfeinden?

    In keiner Weise. Ich habe ja deutlich gesagt: Wer seinen Glauben privat lebt, der ist natürlich ein ganz normaler Mitbürger wie alle anderen, wie der katholische oder evangelische Christ. Es geht mir nicht um die Religionsausübung des Einzelnen, es geht um den politischen Anspruch, der mit dem Islam untrennbar und automatisch verbunden ist. Das war früher einmal auch in der katholischen Religion so. Aber die katholische Religion hat sich von diesem Anspruch, die Politik zu dominieren, gelöst. Der Islam nicht. Das ist der Vorwurf, den ich erhebe — oder wir erheben.

    Interview: Bolle Selke

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    Tags:
    Islam, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Deutschland
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