04:53 24 November 2017
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    US-Flugabwehrraketensystem vom Typ Patriot in Türkei

    Türkei will eigene Nato-Raketenabwehr

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    Die Türkei will ein eigenes Raketenabwehrsystem errichten, erklärte der Vizeleiter der Abteilung für Rüstungsindustrie des Landes, Ismail Demir. Das türkische System solle unbedingt in die Nato integriert werden.

    Demir erinnerte daran, dass Ankara im November 2015 eine Ausschreibung zur Komponentenproduktion für das Raketenabwehrsystem PRO für insgesamt 3,4 Milliarden Dollar abgelehnt hatte, weil ja eine eigene nationale Raketenabwehr entstehen sollte.

    „Wir haben nicht das Projekt, sondern die Ergebnisse der Ausschreibung außer Kraft gesetzt. Bald beginnt eine neue Phase, an der sich einheimische Unternehmen beteiligen werden, darunter die Firmen Roketsan und Havelsan. Wir setzen die Entwicklung von Kurz-, Mittel- und Langstreckensystemen fort“,  so Demir gegenüber der Zeitung „Hurriyet“. Es werde vorerst keine direkten Aufkäufe geben, wobei das entstehende türkische Raketenabwehrsystem in das Nato-System integriert werden soll. „Unseres Erachtens wird diese Kooperation mit der Nato den Prozess intensivieren“, sagte Demir.

    Ankaras Ziel sei der vollständige Herstellung von Rüstungsprodukten auf türkischem Territorium. „Obwohl die Türkei mit der Entwicklung ihrer Rüstungsindustrie erst spät begonnen hat, bauen wir Militärerzeugnisse für etwa 15 Milliarden Dollar. In der Branche sind mehr als 35.000 Menschen beschäftigt“, betonte Demir. Ferner führte der Beamte an, dass der türkische Waffenexport derzeit bei 1,67 Milliarden Dollar liege. In den kommenden sieben Jahren wolle Ankara diese Zahl auf 25 Milliarden Dollar erhöhen.

    Die Ausschreibung für den Kauf von Raketenabwehrkomponenten hatte die Türkei 2009 ausgerufen. Im September 2013 wurde die chinesische Firma CPMIEC zum Gewinner erklärt, die einen Preis von 3,4 Milliarden Dollar geboten hatte. Darüber hinaus hatten sich die Konzerne Raytheon & Lockheed Martin (USA), Eurosam (Frankreich/Italien), Rosoboronexport (Russland) beteiligt.

    Im Unterschied zur Konkurrenz ließen die Chinesen die Produktion eines Teils der Raketenkomplexe in der Türkei sowie eine Übernahme ihrer Technologien durch die Türken zu. Allerdings konnten sich die Seiten nicht über den Grad der Beteiligung Ankaras daran einigen. Darüber hinaus setzte die Nato die Türkei unter Druck, nachdem die Chinesen den Zuschlag bekommen hatten.

    Die Initiative zur Bildung der vereinigten europäischen Raketenabwehr stammte von den USA, was einen der größten Streitpunkte in den russisch-amerikanischen Beziehungen darstellt. Washington beteuerte stets, die Raketenabwehr wäre keineswegs gegen Russland gerichtet, und die Kooperation auf diesem Gebiet wäre für alle Seiten nützlich. Die Nato ruft Moskau auf, dem Westen zu glauben. Die Russen gaben jedoch öfter zu verstehen: Die entsprechenden Garantien müssten in juristisch verpflichtenden Verträgen verankert werden.

    Die europäische Raketenabwehr soll bis 2018 vollständig entfaltet werden. Zunächst sollen die Raketen in mehreren osteuropäischen Ländern aufgestellt werden. In Washington ist man überzeugt, dass für Europa vor allem die Atomprogramme Nordkoreas und des Irans gefährlich seien. Gegen die beiden Länder wurden öfter internationale Sanktionen verhängt, deren wichtigstes Ziel darin bestand, Pjöngjang und Teheran zum Verzicht auf die Entwicklung eigener Atomwaffen zu zwingen.

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