14:56 20 Februar 2018
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    Gerüchte über Plan B für Syrien: „Für die USA gibt es keinen Geschichtsunterricht“

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    Regelung der Syrien-Krise (2016) (515)
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    Falls die US-Regierung wirklich entscheidet, syrische Rebellen mit Boden-Luft-Raketen zu versorgen, wird sie einen gefährlichen Fehler aus dem 20. Jahrhundert wiederholen, warnt der russische Politik-Experte Dmitri Jewstafjew. Er bescheinigt den USA eine „geopolitische Verantwortungslosigkeit“ und befürchtet die Entstehung neuer „Monster“.

    In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“ beschäftigt sich Jewstafjew mit dem angeblichen US-amerikanischen „Plan B“ für Syrien, der vorerst nicht offiziell, sondern unter Berufung auf nicht namentlich genannte „CIA-Analysten“ angekündigt wurde. Der Plan soll Medienberichten zufolge umgesetzt werden, falls die politische Regelung in die Sackgasse gerät.

    Jewstafjew schreibt: „Der ‚Plan B‘ beinhaltet mehr Waffenlieferungen an die ‚gemäßigte‘ syrische Opposition, die ständig zu einer ‚ungemäßigten‘ mutiert, sobald sie von den USA Geld und Waffen bekommt. Das ist sehr charakteristisch, denn mit ihrem ‚Plan B‘ räumen die Amerikaner ein, dass ihre Kunden in Syrien äußerst zweifelhafte politische Aussichten haben. Den Kern des Plans machen Lieferungen tragbarer Boden-Luft-Raketen an ‚moderate Rebellen‘ aus, um diese vor Luftangriffen zu schützen. Das ist ein äußert wichtiges Moment.“ 

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    Der Experte erläutert: „Die US-Politik im Nahen und Mittleren Osten hat eine ‚volle Umdrehung‘ hinter sich und steht nun wieder vor derselben politischen Weggabelung wie damals im Jahr 1986, als die Entscheidung gefallen war, afghanische ‚Freiheitskämpfer‘, wie Ronald Reagan sie nannte, mit Stinger-Raketen zu versorgen.“ 

    Ausgerechnet jene um die US-Waffenlieferungen geeinte afghanische „Internationale“ sei zum Ahnherrn der Al-Qaida geworden, aber auch zum „geistigen Großvater“ der Terrorgruppe IS, so Jewstafjew.

    Zwar sei der syrische „Plan B“ von US-amerikanischen Politikern und Propagandisten dementiert worden. Die Art und Weise dieses Dementis erwecke allerdings den Eindruck, dass der Plan doch bestehe, nur allzu riskant wirke, um offiziell bestätigt zu werden. Es sei also nicht auszuschließen, dass die Gerüchte zu einer realen Planung werden, so der Kommentar. 

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    „Dass überhaupt Informationen über einen solchen ‚Plan B‘ aufgetaucht sind (selbst wenn sie nur zur Propaganda dienen, um Russland sowie – in einem geringeren Maße – den Iran und Assad unter Druck zu setzen), ist ein Hinweis auf den Grad der geopolitischen Verantwortungslosigkeit, die derzeit in Washington herrscht. Denn es gibt Dinge, mit denen man den Opponenten nicht einmal ängstigen darf“, schreibt der russische Experte.

    „Es ist schlecht, dass es keinen Geschichtsunterricht für die USA gibt (…) Die Taliban, bei denen es sich um ein direktes Produkt der US-amerikanischen und saudischen Politik in Bezug auf die ‚afghanische Internationale‘ handelt, sehen im Vergleich zur IS-Gruppe als Boyscouts aus. Man kann nur rätseln, welche Monster, darunter auch ‚Monster der Vernunft‘, vom berüchtigten ‚Plan B‘ geboren werden können“, so Jewstafjew weiter.

    Er schreibt zum Schluss: „Das wichtigste Fazit im Hinblick auf die Gerüchte über den ‚Plan B‘ besteht darin, dass die US-Politik in Syrien und überhaupt im Nahen Osten immer chaotischer wird (…) Es bestehen große Zweifel daran, dass die USA es schaffen, aus jenem Kreislauf von Gewalt im Nahen und Mittleren Osten herauszufinden, den sie selbst zustande gebracht hatten.“

    Themen:
    Regelung der Syrien-Krise (2016) (515)

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    Tags:
    Plan "B", Terrormiliz Daesh, Russland, USA, Syrien
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