22:00 23 Oktober 2018
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    US-Präsident Barack Obama

    Japan und Südkorea bewerten möglichen Hiroshima-Besuch Obamas unterschiedlich

    © REUTERS / Jonathan Ernst
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    Japan und Südkorea schätzen die Aussichten eines möglichen Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Hiroshima im Mai unterschiedlich ein. Dies wird aus Äußerungen aus Tokio und Seoul deutlich, die am Dienstag abgegeben wurden.

    Barack Obama bestätigte zwar noch nicht seine Pläne, als erster US-Präsident nach den Atomangriffen 1945 Hiroshima zu besuchen, der Besuch könnte laut verschiedenen Mitteilungen jedoch während des am 26. und 27. Mai stattfindenden G7-Gipfels in Japan erfolgen. Das japanische Außenministerium verkündete in der vergangenen Woche, dass Tokio und Washington noch keine Absprachen in Bezug auf den Besuch von Obama getroffen hätten.

    Der Bürgermeister von Hiroshima gab laut der Nachrichtenagentur Kyodo zu verstehen, dass der Besuch der Stadt eine größere Bedeutung für die nukleare Abrüstung haben würde als die Forderungen der Stadteinwohner, die die Angriffe überlebten, nach einer Entschuldigung.

    „Die Überlebenden wollen eher, dass er wegen der Vernichtung der Atomwaffen kommt, als dass er auf die Reise verzichtet, wenn wir auf Entschuldigungen beharren“, so der Bürgermeister.

    Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki in1945
    © REUTERS / U.S. Army/Hiroshima Peace Memorial Museum

    Südkorea, das die Geschichte des 20. Jahrhunderts anders als Japan sieht, betrachtet den möglichen Obama-Besuch aus einem anderen Blickwinkel. Laut der Nachrichtenagentur Yonhap empfahl der Leiter des staatlichen Außenpolitik- und Sicherheitsinstituts, Shin Dong-ik, Obama, die Japaner während des Hiroshima-Besuchs an ihre „Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg“ zu erinnern.

    „Falls der US-Präsident, ein enger Verbündeter der Republik Korea, Hiroshima in der jetzigen schwierigen Situation auf der Korea-Halbinsel und im Bereich der internationalen Sicherheit besucht, sind wir uns sicher, dass es für ihn wichtig wäre, die Verantwortung Japans für den Zweiten Weltkrieg zu klären“, so der Experte.

    Laut Yonhap könnte der Obamas Besuch in Hiroshima Japan helfen, sich als Kriegsopfer und nicht als Aggressor darzustellen, was den Revisionismus in diesem Lande fördern könnte. „Die Versuche Japans, die Opfer des Atomangriffs hervorzuheben, während die Reue Japans für seine Aggressionsgeschichte nachlässt, bringt uns auf den Gedanken, dass sich Japan als Opfer darstellen und die Verantwortung für das Verbrechers zurückweisen will“, so der südkoreanische Politologe.

    Im August 1945 warfen US-Piloten Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki ab. Bei den Atomexplosionen und ihren Folgen kamen 140.000 Menschen in Hiroshima und 74.000 in Nagasaki ums Leben. Die meisten Opfer der Atomangriffe waren friedliche Einwohner. Die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki sind die weltweit einzigen Beispiele für den Kampfeinsatz mit Atomwaffen.

    Bislang war kein einziger US-Staatschef in den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki zu Besuch. US-Außenminister John Kerry besuchte im April während des G7-Außenministergipfels den Friedenspark in Hiroshima, der den Opfern der US-Atomangriffe gewidmet ist. Mehrere Experten betonten, dass auch der US-Präsident im Laufe des G7-Gipfels diese Stadt zum ersten Mal in der Nachkriegszeit besuchen könnte.

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    Tags:
    G7-Gipfel in Japan, Barack Obama, Südkorea, Japan, USA, Hiroshima