22:36 19 August 2017
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    Gerhart Baum

    Ex-Innenminister Baum: Westen muss Selbstbewusstsein Russlands achten

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    Politik
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    Der Westen hat aus der Sicht des ehemaligen Bundesinnenministers Gerhart Baum die Befindlichkeit und das Selbstbewusstsein Russlands unterschätzt.

    Russland habe Europa und Deutschland unter großen Menschenopfern mitbefreit, aber es fühle sich seit 1991 irgendwo als Verlierer, sagte er während seiner Moskau-Reise. „Als die Staaten sich selbstständig gemacht haben und etwas entstanden ist, hat dies das Selbstbewusstsein von Russland beschädigt. Heute sagt die russische Regierung:,Wir sind stark! Wir sind doch Weltmacht!‘“

    Die Russen seien ein wichtiger Faktor, ist sich der FDP-Politiker sicher, sodass man die berechtigten Interessen dieses Landes von der westlichen Seite sehen müsse. „Was ja zum Beispiel die Frau Merkel ärgert, dass sich Russland auf bestimmten Einflusssphären besteht. Daher müssen wir die gemeinsamen Interessen definieren und dann auch kooperieren.“

    Es müssten Konfliktpunkte weggenommen werden, betont Gerhart Baum. „Es ist zwar wahnsinnig schwierig, in der Politik so zu handeln, dass eine Seite ihr Gesicht nicht verliert. Man muss jedoch hier behutsam vorgehen und auf gemeinsamen Interessen beruhen.“

    Russland habe doch ein Interesse an einer Wirtschaftsentwicklung, fährt er fort. Es wolle zu Investitionen kommen und nicht auf Öl und Gas pochen. „Hier soll eine Wirtschaftsstruktur im Bereich der neuen Technologien, neuen Medien und Automobilbaus – überall aufgebaut werden. Hier müssen Investitionen hineinfließen. Das sind gemeinsame Interessen. Wir sind ein reiches Europa und können dazu beitragen“, resümiert Gerhart Baum.

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Wirtschaft, EU, Gerhart Baum, Russland
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