23:57 02 Juni 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    2211714
    Abonnieren

    Nach der Eskalation des Konfliktes mit Aserbaidschan behauptet der armenische Ex-Regierungschef Hrant Bagratjan, sein Land besitze Atomwaffen. Die Offiziellen in Eriwan bestreiten das. Dennoch zeigt sich das benachbarte Aserbaidschan besorgt. Auch die EU will die Informationen über „armenische Atomwaffen“ überprüfen.

    Bagratjan, von 1993 bis 1996 armenischer Premierminister und heute Abgeordneter des armenischen Parlaments, hatte laut der Agentur Armenia Today bereits Ende April behauptet, dass Armenien sowohl Atomwaffen als auch Kapazitäten für ihren Bau besitze. Armenien sollte, so Bagratjan, neue Atomwaffen bauen, um sich selbst und die umstrittene Region Berg-Karabach vor einem Angriff Aserbaidschans und der Türkei „abzusichern“.

    Am heutigen Dienstag wiegelte Eriwan ab: Armenien nutze die Kernenergie ausschließlich zu friedlichen Zwecken. Der Vize-Chef des armenischen Parlaments Eduard Scharamasanow sagte laut Lenta.ru, Armenien habe nicht vor, Atomwaffen zu bauen. Die Behauptung von Ex-Premier Bagratjan sei dessen persönliche Meinung und keinesfalls eine offizielle Position.

    Dennoch bezeichnete das Außenministerium des benachbarten Aserbaidschans das Statement des armenischen Ex-Premiers als Besorgnis erregend. Auch die EU-Kommissionssprecherin Maja Kocijancic kündigte laut russischen Medien an, sie werde die Informationen aus Eriwan überprüfen. Die EU sei gegen eine Verbreitung von Atomwaffen, betonte Kocijancic.

    Armenien betreibt mit dem AKW Mezamor das einzige Kernkraftwerk im gesamten Kaukasus. Auf die rund 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Eriwan gelegene Anlage entfallen knapp 30 Prozent der gesamten Stromerzeugung des Landes.

    Armenien befindet sich seit dem Zerfall der Sowjetunion vor mehr als 25 Jahren in einer anhaltenden Auseinandersetzung mit dem Nachbarstaat Aserbaidschan um Berg-Karabach, ein Gebiet im islamisch geprägten Aserbaidschan, das mehrheitlich von christlichen Armeniern bewohnt wird.

    Im April 2016 eskalierte die Lage erneut. Bei den Kämpfen, den schwersten seit 1994, gab es Todesopfer. Beide Seiten machen einander für die Eskalation verantwortlich. Gegenwärtig gilt in der Region eine Feuerpause.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Jede Stimme zählt! - Sputnik startet Online-Appell für Frieden in Berg-Karabach
    Aserbaidschan feuert Raketen auf Berg-Karabach - VIDEO
    Medwedew vermutet Wirkung „türkischen Faktors“ auf Situation in Berg-Karabach
    Tags:
    Berg-Karabach, Aserbaidschan, Armenien, Kaukasus