23:54 17 November 2019
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    Raketen in Rumänien: „Die USA werden Moskau erpressen können“

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    US-Raketenabwehr in Europa (57)
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    Russische Militärexperten glauben kaum an die Erklärungen des Pentagons und der Nato, wonach sich das in Rumänien kürzlich in Betrieb genommene Raketenabwehr-System Aegis Ashore nicht gegen Russland richtet.

    Der TV-Sender Swesda zitiert am Montag den russischen Militärexperten Ruslan Puchow mit den Worten: „Neben dem direkten Interesse der USA daran, die Idee der Weltherrschaft aufrechtzuerhalten, sucht die US-Rüstungsindustrie nach Optionen, um mehr Geld aus dem Staatshaushalt zu bekommen.“

    „Finanzen in den Raketenschild zu pumpen, sieht am attraktivsten aus – hauptsächlich vom ideologischen Standpunkt aus (…) Die US-Militärs ernten Gelder der Steuerzahler unter dem notorischen Motto: ‚Die Russen kommen!‘ Seltsamerweise funktioniert das noch“, so Puchow. 

    Der russische Militärexperte Viktor Murachowski erläuterte für die Onlinezeitung vz.ru, warum die Aegis-Stationierung auf dem rumänischen Stützpunkt Deveselu aus russischer Sicht Besorgnis erregt. Für die die dortigen SM-3-Raketen seien Startvorrichtungen MK-41 geeignet – genauso wie auf US-Kriegsschiffen. „Diese Startanlagen können aber nicht nur SM-Abfangraketen abfeuern, sondern auch Tomahawk-Marschflugkörper. Es ist also völlig unmöglich zu durchschauen, womit eine solche Anlage konkret bestückt ist“, so Murachowski. 

    Mehr zum Thema: Stratfor-Chef: US-Raketenabwehr in Rumänien sinnlos gegen Russland

    Ein potenziell mögliches Abfeuern von Marschflugkörpern ist nach Ansicht von Murachowski ein Verstoß gegen den russisch-amerikanischen INF-Vertrag, wonach alle landgestützten Raketen mit einer Reichweite von 500 bis 5.500 Kilometer verboten sind. 

    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hatte bei der Inbetriebnahme in Rumänien beteuert, das System sei lediglich defensiv. Ein offensiver Einsatz sei überhaupt nicht möglich. Wie es hieß, richtet sich das Projekt nicht gegen Russland. Pentagon-Vizechef Robert Work sagte nach Angaben der russischen Tageszeitung „Kommersant“: „Solange der Iran weiter ballistische Raketen entwickelt, werden die USA mit ihren Partnern daran arbeiten, die Nato und all unsere Verbündeten vor dieser Bedrohung zu schützen.“

    Der russische Militärexperte Igor Korotschenko hält die Argumente über den Iran jedoch für haltlos: „Das ist für Dummköpfe. Die Analyse der Situation zeigt, dass die USA mit ihrer Raketenabwehr vor allem Russland ins Visier nehmen.“

    Korotschenko kommentierte für vz.ru: „Das Hauptziel der US-Raketenabwehrsysteme besteht darin, Russlands Atomwaffen-Kapazitäten zu devalvieren. Als Standorte sind nun Polen und einige weitere Länder an der Reihe. Die USA werden auch die seegestützte Komponente ihrer Raketenabwehr in der Ostsee und im Schwarzen Meer aktiv weiter entwickeln. Später sollen das asiatische und das arktische Segment der US-Raketenabwehr entstehen. Dann werden die Amerikaner Moskau erpressen können. Diese Möglichkeit bekommen sie in etwa 25 Jahren, wenn alles so weiter geht.“ 

    Präsident Wladimir Putin hatte am Freitag gesagt: „Nun werden wir daran denken müssen, die entstehenden Bedrohungen für Russlands Sicherheit zu kappen.“ Russland lasse sich zwar nicht in ein Wettrüsten involvieren, werde aber die Pläne für die Umrüstung seiner Armee entsprechend den Bedrohungen korrigieren, so Putin.

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