15:41 22 November 2019
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    Michelle Obama und Barack Obama

    Keine Einladung zur US-Welt mehr: „Obama greift zu klar antichinesischer Rhetorik“

    © REUTERS / Joshua Roberts
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    China und USA auf Konfrontationskurs (73)
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    In Sachen Wirtschaftsstrategie will der US-Präsident China daran hindern, die Regeln des Welthandels zu schreiben, und redet dabei Klartext. Der russische Auslandexperte Fjodor Lukjanow hält dies für ziemlich charakteristisch und spricht vom Ende des bisherigen Globalisierungsmodells.

    Lukjanow schreibt in einem Gastbeitrag für die russische Onlinezeitung gazeta.ru, Washington räume derzeit faktisch ein, dass sich sein Ansatz zu globalen Vorgängen ändere: „Es geht nicht mehr darum, eine einheitliche Weltwirtschaft zu steuern. Stattdessen nimmt man Kurs auf eine Fragmentierung und auf den Aufbau eines US-zentrischen Kerns, der allen anderen entgegengesetzt werden soll.“

    Als Beleg für diesen neuen Kurs betrachtet der russische Experte den jüngsten Kommentar von Barack Obama in der „Washington Post“. Lukjanow  stellt fest: „Der US-Präsident erklärte erneut, diesmal aber noch härter als bisher, dass ausgerechnet Amerika mit seinen Verbündeten die Regeln des Welthandels schreiben soll. Niemand sonst dürfe das tun – und vor allem nicht China, hieß es im Klartext.“ Obamas Artikel soll laut Lukjanow zu einer möglichst schnellen Ratifizierung der Transpazifischen Partnerschaft durch den US-Kongress beitragen. Mit dieser Partnerschaft nehmen die USA Länder im Asien-Pazifik-Raum stärker ins Visier, wobei China ausgeklammert wird.

    „Der Chef des Weißen Hauses greift zu einer klar antichinesischen Rhetorik und betont, wer konkret die Zielscheibe ausmacht. Das ist ziemlich beispiellos“, schreibt Lukjanow.

    Er postuliert, dieser neue US-Ansatz habe ernstzunehmende Konsequenzen für andere Länder. Diese stünden nun vor einer Wahl: „Entweder lässt man sich in die besonders harten westlichen Institutionen einbetten (in jene US-geführten Partnerschaften), oder sucht man nach Methoden, um sein eigenes Wachstum und seine eigene Entwicklung in einer globalen Wirtschaft zu sichern, die zwar gegenseitig abhängig bleibt, aber nicht mehr unteilbar ist.“

    „In Europa verursacht dies zunehmende Schwankungen. China muss unterdessen einsehen: Sein Entwicklungsmodell, das dem Land mehr als drei Jahrzehnte Wachstum ermöglicht hatte, wird nun Vergangenheit (…) China reagiert umsichtig und will keine unumkehrbaren Schritte machen. Auch seine Reaktion auf Obamas Äußerung war ziemlich zurückhaltend. Dies bedeutet allerdings nicht, dass China bereit wäre, sich jeder Rolle anzupassen, die ihm die USA anbieten würde“, so Lukjanow.

    US-Flagge
    © REUTERS / Stephen Lam

    Die Regierung in Peking suche Wege, um das globale US-Modell zu umgehen und in der Lage zu sein, sich diesem Modell bei Bedarf entgegenzusetzen. Diese Umorientierung falle den Chinesen schwer, sei aber angesichts der US-Politik unabdingbar, so der Experte weiter. 

    Er prognostiziert: „Amerika wird sich weiter verändern, und zwar in Richtung von mehr Protektionismus. Das Globalisierungsmodell von Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts ist also vorbei. Stattdessen beginnt etwas ganz Neues. Für Russland und China bedeutet dies, dass ihre Entwicklungsstrategien nicht mehr auf der Idee einer Integration in die ‚amerikanische Welt‘ basieren können. Man wird entweder überhaupt nicht mehr in diese Welt eingeladen oder mit Bedingungen konfrontiert, die selbst die nächsten US-Verbündeten verwirren.“

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