10:45 01 Oktober 2020
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    Die Aufhebung des Waffenembargos gegen Libyen könnte eine Zuspitzung der bewaffneten Konflikte im Lande zur Folge haben, wie der Experte des Moskauer Instituts für strategische Bewertungen und Analyse Sergej Demidenko sagte.

    Laut Demidenko ist eine solche Aufhebung deshalb so bedenklich, weil es in Libyen bislang keine wahre nationale Versöhnung gegeben hat. Die derzeitige Regierung der Nationalen Einheit unter Führung von Fajiz as-Sarradsch wurde laut dem Experten ausschließlich aus taktischem Kalkül heraus gebildet. „Die Kabinette von Tripoli und Torbuk haben sich nur für den Kampf gegen die IS-Terroristen in Syrte zusammengeschlossen, und sobald die Bedrohung eingedämmt ist, werden sie wahrscheinlich auf diese Waffen zurückgreifen, um sich gegenseitig zu bekriegen“, so der Analytiker.

    Zugleich zeigte sich Demidenko zuversichtlich, dass ein Sieg über den Terror in Syrien ein durchaus erreichbares Ziel sei. „Dort [in Libyen – Anm. d. Red.] wird es kein zweites Syrien bzw. keinen zweiten Irak geben – vor allem deshalb, weil Nordafrika aus ethnisch-konfessioneller Sicht die Ideen des IS fremd sind“, betonte er. Die sunnitische Glaubensrichtung in Nordafrika beruhe auf Heiligenverehrung, die vom IS bekämpft werde.

    In diesem Sinne könnte das Zweckbündnis von Tripoli und Torbuk sich als eher kurzlebig erweisen. „Sie werden ihre Waffen aufstocken, den IS ziemlich schnell nach Syrte vertreiben und ihn dort erledigen – dann werden sie aufeinander losgehen“, schloss der Experte.

    Am Montag hatte in Wien ein internationales Außenminister-Treffen zum Thema Libyen stattgefunden. US-Außenminister John Kerry gab bekannt, dass das Waffenembargo gegen Tripoli teilweise aufgehoben werden solle. Das Einfuhrverbot soll demnach nicht die Waffenarten einschließen, die für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat nötig sind.

    Am 31. März nahm in Libyen die Regierung der Nationalen Einheit ihre Arbeit auf. Sie strebt die Wiederherstellung der Integrität des Landes an, die seit der Absetzung von Muammar al-Gaddafi auf der Kippe ist. Einzelne libysche Gebiete sind immer noch von IS-nahen Terrorgruppierungen besetzt. Das Uno-Waffenembargo war 2011, nach dem Beginn des Aufstandes gegen al-Gaddafi, verhängt worden.

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    Aufhebung, Embargo, Waffen, Muammar al-Gaddafi, Wien, Libyen, USA