14:45 15 Dezember 2019
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    US-Präsident Barack Obama

    Obamas Asien-Reise: „Unterstützung bei Konfrontation mit China“

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    Barack Obama kommt am Samstag nach Vietnam. Der Besuch spielt angesichts des Einflusskampfes gegen China eine besondere Rolle, wie russische Experten erläutern. Sie kommentieren die Chancen der USA darauf, mit Russland um vietnamesische Waffenaufträge zu ringen. Obama besucht auch Japan.

    Die Tageszeitung „Iswestija“ zitiert am Freitag den russischen Vietnam-Experten Ilja Ussow mit den Worten: „Vor dem Hintergrund der Eskalation im Südchinesischen Meer betrachtet man in Hanoi den Besuch des US-Präsidenten als Unterstützung für Vietnam bei dessen Konfrontation mit China.“

    Vietnam und China streiten insbesondere um die Spratly-Inseln. Auch die USA werfen China vor, das Südchinesische Meer zu militarisieren. Peking beklagt im Gegenzug die zunehmende US-Militärpräsenz in der Region. In der laufenden Woche wurden chinesische Jagdflugzeuge alarmiert, als sich ein US-Patrouillenflugzeug der umstrittenen Inselgruppe näherte. 

    Alexander Panow, Lehrstuhl-Chef für Diplomatie an der Moskauer Universität MGIMO, sagte dem Blatt: „Elemente der amerikanisch-chinesischen Konfrontation im Südchinesischen Meer sind vorhanden, die beiden Länder machen einander nervös. Die Amerikaner werden keinen offenen Konflikt eingehen, dabei aber eine freie Schifffahrt in der Region fordern. Mit Vietnam werden die USA zwar keine militärpolitische Allianz haben, es wird aber eine Annäherung geben. Auch US-Waffenlieferungen an Vietnam wären möglich.“

    Ussow bestätigt: „Die Vietnamesen warten natürlich auf eine endgültige Aufhebung des US-Waffenembargos. Das wäre eher ein symbolischer Schritt: Alle Konventionen des Kalten Krieges sind weg, die Beziehungen der beiden Länder erleben eine Blütezeit. Die USA unterstützen Vietnam und sind bereit, Waffen zu liefern.“

    Derzeit kauft Vietnam aktiv russische Waffen, darunter U-Boote, Fregatten und Kampfjets. Ussow prognostiziert: „Kurzfristig werden die USA Russland vom vietnamesischen Waffenmarkt nicht verdrängen. Militärtechnik in Vietnam ist zu rund 80 Prozent aus sowjetischer und russischer Produktion. Die meisten ranghohen Militärs hatten in der Sowjetunion studiert. Die Regierung in Hanoi will allerdings ihre Waffenimporte diversifizieren.“ 

     

    Nach seinem Vietnam-Besuch kommt Obama nach Japan, um dort am G7-Gipfel teilzunehmen. Panow erläutert: „Eine große Palette von Wirtschaftsfragen steht auf Agenda. Die Japaner suchen nach Unterstützung in Bezug auf die Fiskal-Stimulierung der Wirtschaft, denn in dieser Hinsicht ist die Lage in Japan schlimmer als in den USA. Zur Erörterung stehen natürlich auch das Südchinesische Meer, das nordkoreanische Atomprogramm, die Ukraine. Die G7-Länder müssen ihre Einheit demonstrieren. Der jüngste Besuch von Shinzo Abe in Sotschi hatte ja gezeigt, dass Tokio faktisch aus dem Sanktions-Modus gegen Russland ausgestiegen war.“

    Generell sagte Panow zur Asien-Reise des US-Präsidenten: „Das ist eine Art Abschieds-Gastspiel für Obama. Er versucht, sich ins Buch der Geschichte einzutragen. Der Besuch in Vietnam – ebenso wie der jüngste Kuba-Besuch – ist eine schöne Geste, die zeigen soll, dass die Seiten jenen Krieg endgültig begraben konnten. Der Japan-Besuch steht in derselben Reihe. Zwar hat Obama nicht vor, sich für die einstigen Atom-Bombardements zu entschuldigen, doch er soll der erste US-Präsident werden, der Hiroshima zumindest besucht.“

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