17:09 20 November 2018
SNA Radio
    US-Präsident Barack Obama

    Obamas Japan-Besuch spaltet US-Verbündete in Asien – Medien

    © REUTERS / Jonathan Ernst
    Politik
    Zum Kurzlink
    2455

    Der Hiroshima-Besuch des US-Präsidenten Barack Obama hat einen der wichtigsten regionalen Verbündeten Washingtons, Südkorea, irritiert, wie The Financial Times berichtet. Aber auch die Einwohner von Okinawa sind äußerst unzufrieden.

    Der Japan-Besuch des Chefs des Weißen Hauses ist für den 27. Mai geplant. Obama wird somit der erste US-Präsident, der die durch die US-Luftwaffe mit Atomwaffen angegriffene japanische Stadt noch während seiner Amtszeit besucht. Obama erklärte dabei, er habe nicht die Absicht, sich für die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki zu entschuldigen. In Seoul befürchtet man jedoch, dass der US-Präsident eine neue Interpretation der Kriegsgeschichte nach Tokio mitbringen wird, in der Japan als das einzige Opfer des US-Bombardements dargestellt werde.

    Die südkoreanische soziale Bewegung, die die Interessen der Bürger des Landes, die die Katastrophe überlebten, vertritt, behauptet, dass Zehntausende Südkoreaner, die entweder Militärdienst leisteten oder als Arbeitskräfte in Nagasaki eingesetzt waren, dem US-Bombenangriff ebenfalls zum Opfer gefallen waren.

    „Wir hoffen, dass Ihr Besuch in Hiroshima nicht als Bekräftigung der Absichten der Regierung von Shinzo Abe (der japanische Premier – Anm. d. Red.), Japan als das einzige Opfer darzustellen, genutzt wird“, heißt es in ihrem offenen Brief an Barack Obama. In diesem Schreiben haben Aktivisten den US-Präsidenten zudem aufgerufen, die Gedenkstätte in Hiroshima zu besuchen, die Zehntausenden Südkoreanern gewidmet ist, die bei den Bombenangriffen der US-Luftwaffe ums Leben gekommen waren. Der Bewegung zufolge waren in Hiroshima etwa 70.000 und in Nagasaki weitere 20.000 südkoreanische Bürger umgekommen.

    Die negative Reaktion seitens Seouls ist der Zeitung zufolge nicht durch die Bombardements selbst hervorgerufen worden, sondern durch die Tatsache, dass Obamas Rede vor allem auf die Leiden der Japaner konzentriert wird, während die der Südkoreaner außer Acht gelassen werden.

    Mit dem kommenden Hiroshima-Besuch des US-Präsidenten sei man auch auf der japanischen Insel Okinawa, wo US-Marinesoldaten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stationiert sind, äußerst unzufrieden. Dort wurden heute mehrere Protestkundgebungen durchgeführt, die durch den grausamen Mord an der 20-jährigen Japanerin Rina Shimabukuro durch einen US-Marinesoldaten vom Militärstützpunkt Kadena hervorgerufen wurden.

    Der Gouverneur der Insel, Takeshi Onaga, hatte  Premier Shinzo Abe daraufhin gebeten, ein Treffen mit Obama beim G7-Gipfel zu ermöglichen, da die Insel-Einwohner „ihre Emotionen nicht mehr zurückhalten können“ und die Situation außer Kontrolle gerate.

    Auf Okinawa dauern seit langem Massenproteste gegen die US-Militärbasen an.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Japan und Südkorea bewerten möglichen Hiroshima-Besuch Obamas unterschiedlich
    Atombombenüberlebende in Hiroshima verlangen von Obama keine Entschuldigung
    US-Präsident erstmals in Hiroshima – Signal für friedliche Welt ohne Atomwaffen
    70 Jahre nach Atomschlag: Nagasakis Bürgermeister lädt US-Präsident zu Besuch ein
    Tags:
    Opfer, Atomwaffen, Bombardierung, Besuch, Barack Obama, Südkorea, Hiroshima, Japan, USA