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    Terrororganisation Daesh (307)
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    Die kurdischen Peschmerga-Einheiten, die im August 2014 die nordirakische Stadt Sindschar aufgegeben und den Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS, auch Daesh) überlassen haben, sind mitverantwortlich für das Genozid an den Jesiden, wie der Parlamentspräsident des irakischen Kurdistans, Youssef Mohammed Sadik, äußerte.

    Die Peschmerga sind Sadik zufolge tatsächlich nachts geflohen, ohne an die Zivilbevölkerung der Region zu denken und ohne zuvor die Zahl der auf Şingal (kurdischer Name für Sindschar) vorrückenden IS-Truppen in Erfahrung gebracht zu haben. „Man muss sie vor Gericht stellen und dafür bestrafen, was sie getan haben, als sie es dem IS ermöglichten, in die Region einzudringen und große Territorien zu besetzen sowie Tausende Frauen und Mädchen in die Sklaverei zu entführen. Die damals aus Şingal geflohenen Peschmerga tragen die Verantwortung für das Genozid am kurdischen Volk“, so Sadik in einem Interview mit der Agentur RIA Novosti.

    Mehrere Parlamentsparteien treten ihm zufolge für eine gerichtliche Verfolgung dieser Peschmerga-Vertreter ein.

    „Aber die Peschmerga unterstehen dem Präsidenten, doch der ‚amtierende‘ Ex-Präsident der Region hat die Parlamentstätigkeit gelähmt. Jetzt kann das Parlament derartige Fragen weder aufwerfen noch kontrollieren“, merkte Sadik an.

    Das irakische Kurdistan ist eine Autonomie im Nordirak, die diesen Status in den 1990er Jahren erhalten hatte. Die Autonomie besitzt eine eigene Regierung, ein Parlament und einen Präsidenten, ebenso eigene Streitkräfte – die Peschmerga (im Deutschen bedeutet das „die dem Tod ins Auge sehen“). Die zwei stärksten Parteien sind in der Region traditionell die Demokratische Partei Kurdistans (PDK), geführt von Masud Barzani, dem Präsidenten der Autonomie, und die Patriotische Union Kurdistans (PUK), geführt von Iraks Ex-Präsidenten Dschalal Talabani.

    Die im Nordirak unweit der syrischen Grenze gelegene Stadt Sindschar, die hauptsächlich von Jesiden (einer zumeist Nordkurdisch sprechenden religiösen Minderheit) bewohnt ist, wurde im August 2014 von IS-Kämpfern besetzt. Tausende Jesiden wurden damals vom IS ermordet, 5.000 bis 7.000 Frauen gerieten in die Sklaverei.

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    Tags:
    Jesiden, Terrormiliz Daesh, Peschmerga, Dschalal Talabani, Youssef Mohammed Sadik, Irak