03:31 07 Dezember 2019
SNA Radio
    Polizei in Hannover

    Gewaltforscher: Bis die Polizei kommt ist es oft zu spät

    © AFP 2019 / John Macdougall
    Politik
    Zum Kurzlink
    5366
    Abonnieren

    Haben die deutschen Männer verlernt, wie man sich prügelt? Und wenn ja, ist das gut oder schlecht? Im Kontext mit Notwehrsituationen, wie beispielsweise in der Silvesternacht in Köln, sollte diese Frage erlaubt sein, findet Prof. Dr. Jörg Baberowski.

    Dass Männer, die in Deutschland sozialisiert wurden, nicht mehr auf körperliche Gewalt zurückgreifen, sieht Baberowski als zivilisatorische Errungenschaft an. Doch gerade in solchen Situationen wie bei der in Köln, so Baberowski, sehe man die Grenzen dieses Verlernens des Prügelns:

    „Immer dann, wenn der Staat seine Sicherheitsaufgaben nicht wahrnimmt, ist sozusagen der Naturzustand wiederhergestellt und mit dem können die meisten Menschen in Deutschland leider nicht mehr umgehen.“ 

    Damit die Gewalt nicht zunimmt, müssen nach Baberowski zwei Maßnahmen getroffen werden: Es gelte in erster Linie, Grenzen aufzuzeigen und das Gewaltmonopol durchzusetzen. Denn in Herkunftsländern, wie den nordafrikanischen Staaten, wären Strafen für Vergehen auch an der Tagesordnung:

    „In diesen Ländern ist die Polizei durchaus präsent. Es ist ja eher die Erfahrung, die diese Männer machen, dass hier viel mehr möglich ist als bei ihnen zu Hause. Sie können nicht damit umgehen, dass es hier eine Art Autoritätsverlust gibt, den sie aus ihrem Land gar nicht kennen“, argumentiert Baberowski im Sputniknews-Interview mit Ilona Pfeffer. „Wenn sie eine Frau in Marokko oder Tunesien vergewaltigten, müssten sie damit rechnen, vom Ehemann zur Verantwortung gezogen zu werden oder von der Familie des Opfers. Aber sie machen hier die Erfahrung, dass das hier nicht greift, dass hier gar nichts passiert. Und das fordert Menschen mit niedrigem Bildungsniveau heraus, einmal auszuprobieren, was möglich ist."

    Umerziehungsprogrammen steht Prof. Baberowski skeptisch gegenüber und setzt vielmehr auf die Staatsgewalt.

    "Sie können an diesen Vorstellungen eigentlich gar nichts ändern: Menschen sind verschieden und wenn sie aus unterschiedlichen Kulturen und Kontexten kommen, dann prallen diese aufeinander. Aber Sie können verhindern, dass die einen Gewalt gegen die anderen ausüben, indem der Staat Zähne zeigt, indem der Staat Grenzen aufzeigt und indem der Staat seine Gesetze gegen Widerstreben auch durchsetzt — und das hat er nicht getan.“

    Die andere Maßnahme sei es, im Zusammenhang mit der Sozialisierung die Einwanderung zu steuern und zu begrenzen, denn sonst blieben die Einwanderergruppen in bestimmten Stadtteilen unter sich, verlören den Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft und könnten nicht von deren Vorstellung von einem Zusammenleben geprägt werden.

    Für mögliche Konfliktsituationen mit den bereits nach Deutschland Eingewanderten empfiehlt Babarowski schlicht: "Lernt, euch darauf einzustellen, dass Gewalt eine Möglichkeit ist."

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Time: Fünf Gründe, warum Europa Zielscheibe des IS wurde
    Deutsche Polizei überfordert – Gewerkschaftschef warnt vor „innerer Kündigung“
    Puschkow: Kraftlosigkeit der deutschen Polizei vor Migranten – "absurd liberal"
    „Was ist los?“: Putin spricht in Sotschi plötzlich Deutsch – Video
    Tags:
    Ilona Pfeffer, Jörg Baberowski, Deutschland