22:23 27 März 2017
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    Cam Ranh (1966)

    Marine-Poker um Cam Ranh: „Die USA möchten Russlands Platz einnehmen“

    © Flickr/ Robert Swanson
    Politik
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    In ihrem Einflusskampf gegen China möchten die USA die in Vietnam gelegene Marinebasis Cam Ranh nutzen – in diesem Zusammenhang wäre auch der jüngste Hanoi-Besuch von Barack Obama zu betrachten. Diese Meinung äußert ein russischer Analyst.

    Der russische Militärexperte Viktor Litowkin schreibt in einem am Montag veröffentlichten Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“, Washington habe an Chinas Politik viel auszusetzen: „Es geht darum, dass China seine Präsenz im Südchinesischen Meer ausbaut, seine Garnisonen auf den dortigen Inseln platziert und seinen wirtschaftlichen und militärischen Interessenbereich dadurch erweitert. Doch vor allem kommt es darauf an, dass das von Tag zu Tag stärker werdende China zu einem realen Konkurrenten der USA in Südostasien aufgestiegen ist – politisch, wirtschaftlich und militärisch.“

    „Die USA mögen keine Konkurrenten. Den Pazifikraum betrachten sie als Bereich ihrer geopolitischen Interessen und schicken dorthin ihre Marinekräfte – darunter strategische U-Bote, Fregatten sowie Zerstörer mit Aegis-Flugabwehrsystemen und Tomahawk-Marschflugkörpern von großer Reichweite. Auch die US-Militärstützpunkte werden verstärkt. Ein kleiner, aber wichtiger Anti-China-Verbündeter wie Vietnam würde den Amerikanern nicht schaden“, so Litowkin. 

    Er erläutert: „Vietnam hat einen Juwel, der den USA sehr nützlich wäre, und zwar den Marinestützpunkt Cam Ranh (…) Während des Vietnamkriegs wäre amerikanische Jagd- und Transportflugzeuge sowie Kampf- und Versorgungsschiffe dort stationiert. Für diese Zwecke hatte das Pentagon sogar einen Flugplatz  und einen für jene Verhältnisse modernsten Hafen gebaut, aber auch Reparatur-Werkstätten für Flugzeuge und Schiffe.“ 

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    Litowkin weist darauf hin, dass Vietnam diesen Stützpunkt nach dem Krieg an die Sowjetunion übergab und ein entsprechendes Abkommen unterzeichnete: Die Sowjets stationierten dort U-Boot-Jagd- und  Aufklärungsflugzeuge, MiG-23-Jäger und Hubschrauber, aber auch Überwasserschiffe und U-Boote.

    „Doch 2001 wurde die russische Präsenz eingestellt. Manche Fachleute erklären dies mit dem Geldmangel – zumal Vietnam damals die Kosten für die Nutzung drastisch erhöhte“, so Litowkin weiter. Eine andere Erklärung bestehe darin, dass Russland seine Marine- und Luftwaffen-Missionen in der Region abgebaut und den Stützpunkt nicht mehr gebraucht habe.

    „Vor ein paar Jahren wurde jener geopolitische Fehler allerdings berichtigt. Die russische  Kriegsflotte wurde berechtigt, Cam Ranh zu besuchen, um ihre Schiffe zu reparieren, Trinkwasser- und Treibstoff-Vorräte zu ergänzen, aber auch den Besatzungen zu ermöglichen, sich zu erholen. Auch russische Flieger durften nun dorthin“, heißt es im Kommentar.

    „Den Vereinigten Staaten gefällt das natürlich nicht. Sie möchten Russlands Platz in Cam Ranh selbst einnehmen – in Ergänzung zu ihren Basen auf den Philippinen, in Japan und Südkorea. All dies soll einen Bogen ausmachen, um auf China einzuwirken. Für diese Zwecke wäre Washington bereit, Geld reichlich auszugeben“, schreibt der russische Experte.

    In diesem Zusammenhang erwähnt er auch die jüngste Hanoi-Reise von Barack Obama, der einen Stopp des Waffenembargos gegen Vietnam angekündigt hatte. „Doch mit Cam Ranh geht es vorerst nicht. Die Vietnamesen haben wohl ein gutes Gedächtnis“, kommentiert Litowkin.

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    Tags:
    Stützpunkt Cam Ranh, Russland, Vietnam, USA