14:53 20 November 2017
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    Zusammenstöße zwischen Kurden und türkischer Polizei in kurdischer Stadt Yuksekova

    Streit mit Washington wegen Kurden: „Die Türkei wähnt sich als Weltmacht“

    © AFP 2017/ Ilyas Akengin
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    Die Türkei zeigt sich bereit, gemeinsam mit den USA gegen die Dschihadisten in Syrien zu kämpfen, fordert aber, dass Washington seine Kooperation mit den syrischen Kurden stoppt. Russische Experten erläutern, was mit diesem türkischen Plan falsch ist.

    Wie die russische Tageszeitung „Iswestija“ am Dienstag berichtet, hat der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu die Bereitschaft seines Landes bestätigt, Spezialkräfte nach Syrien zu entsenden, um gemeinsam mit den USA eine zweite Front gegen die Terrorgruppe IS zu eröffnen. Die Türkei stellt allerdings eine Bedingung: Die Vereinigten Staaten sollen auf ihre Kooperation mit den syrischen Kurden verzichten. Deren Partei der Demokratischen Union (PYD) hat nach Ansicht von Ankara Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), jener Untergrundorganisation, die in der Türkei für eine kurdische Autonomie kämpft.

    Washington hält die PYD-Kurden jedoch für keine Terroristen und setzt auf sie im Kampf gegen den IS. Bei den Kämpfen um die Grenzstadt Kobani erhielten sie beispielsweise amerikanische Waffen und Ausrüstungen. 

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    Viktor Nadejin-Rajewski, Experte des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen des Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte dem Blatt, Ankara wolle vor allem nicht gegen den IS, sondern eben gegen die Kurden vorgehen: „Bei den Verbindungen der syrischen Kurden zur Arbeitspartei Kurdistans handelt es sich meistens um Phantasien der türkischen Führung. Zwar haben diese Kurden auch sozialistische Ansichten, doch niemand konnte ihnen den Terrorismus nachweisen (…) Erdogan hasst sie und ist bereit, eine Jagd zu starten.“

    Die USA begreifen laut Nadejin-Rajewski unterdessen, dass es im Norden Syriens außer den Kurden keinen anderen Akteur gibt, um gegen den IS real zu kämpfen: „Daraus resultieren die Differenzen der Türken mit den Amerikanern (…) Die Kurden werden vom proamerikanischen Barzani kontrolliert und bekommen Hilfe von den USA. Ein Teil ihrer Verbände wurde von US-Fachleuten im Irak militärisch ausgebildet.“ 

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    Wladimir Awatkow, Chef der russischen Denkfabrik „Zentrum für Nahost-Studien, internationale Beziehungen und öffentliche Diplomatie“, kommentierte: „Die Türkei wähnt sich als Weltmacht, die nach ihrem Gutdünken handeln kann. Insbesondere versucht sie mit allem Mitteln, gegen alle Kurden zu kämpfen und den türkischen Einfluss in den benachbarten Regionen durchzusetzen. Aus Angst vor der Entstehung eines Kurden-Staates ist die türkische Führung bereit, aufs Ganze zu gehen – sowohl im In- als auch im Ausland.“

    Washington brauche jedoch die Kurden und werde die Pläne der Türkei nicht akzeptieren. „Der Nato-Allianz steht ein Härtetest bevor“, prognostizierte Awatkow.

    Das russische Außenministerium sprach sich gegen einen türkischen Militäreinsatz in Syrien aus. Vizeaußenminister Michail Bogdanow erläuterte, ein solches Eingreifen setze entweder einen UN-Beschluss oder eine Zustimmung der Regierung in Damaskus voraus.

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    Tags:
    Kurden, Kurdenpartei PYD, Terrormiliz Daesh, Türkei, USA
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