16:55 19 Juni 2019
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    Gay-Parade in Kiew, 2015

    Gay-Parade: Kiew will für EU-Kurs „hart durchgreifen“ - Rechte versprechen „Blutbad“

    © AFP 2019/ VOLODYMYR SHUVAYEV / AFP
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    Während der Sprecher des nationalistischen Rechten Sektors bei der kommenden Gay-Parade in Kiew ein Blutbad verspricht, wollen die Stadtbehörden „im Interesse des Staates“ Ausschreitungen verhindern - die Polizisten sollen in diesem Jahr wohl doch Härte gegen Intoleranz demonstrieren, wie der Kiewer Polizeichef Andrej Krischtschenko äußerte.

    Da die Ukraine die EU-Mitgliedschaft anstrebt, wird oft die Frage aufgeworfen, ob im Land menschliche Grundwerte und Toleranz überhaupt als selbstverständlich angesehen werden.

    In der ukrainischen Hauptstadt soll nun am 12. Juni die dritte „Gay Pride“-Parade seit 2013 stattfinden. Im vergangenen Jahr war sie trotz mehrerer Drohungen aus der rechtsextremen Szene abgehalten worden – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als es zu massiven Ausschreitungen zwischen Parade-Gegnern und der Polizei kam.

    Es scheint aber, dass es in diesem Jahr schlimmer kommen könnte: „Am 12. Juni gibt es ein Blutbad in Kiew. Die Organisatoren haben immer noch Zeit, die Parade abzusagen“, hatte Artem Skoropadski, der Sprecher des rechtsextremen Rechten Sektors, am Mittwoch in seinem Facebook-Profil geschrieben.

    Derweilen machen die Kiewer Stadtbehörden kein Geheimnis daraus, dass man Wert auf eine erfolgreich ablaufende Gay-Parade legt – dies jedoch offensichtlich nicht zwingend wegen Toleranz. Man „will nach Europa gehen“, betonte nun der Kiewer Polizeichef Andrej Krischtschenko in einem Interview für den Sender „112.Ukraina“.

    „Wir zielen ernsthaft auf Sicherheit ab“, erklärte er: „Egal was jemand auch immer über diese Parade denken sollte – es besteht ein Staatsinteresse und wir müssen deshalb zeigen, dass unsere Gesellschaft tolerant und bereit ist, mit ihren Werten nach Europa zu gehen.“

    Demonstration für Unterstützung der Rechte der sexueller Minderheiten
    © Sputnik / Anatoly Medwed
    Die Frage, ob nun die Akzeptanz von Homosexualität und Grundwerten für Kiew höher auf der Werteskala liegt als der EU-Mitgliedschaftstraum, bleibt nach solchen Äußerungen jedoch eher offen. Dass Krischtschenko aber großen Wert auf eine Art Gleichberechtigung legt, wird aus seinen folgenden Worten relativ klar: „Wir trafen uns sowohl mit den Organisatoren als auch ihren Gegnern und Vertretern radikaler Jugendorganisationen “, erklärte Krischtschenko.

    Hierbei sollte man bedenken, dass ein hochrangiger Kollege von Krischtschenko ein offenkundiger Neonazi ist – Wadim Trojan heißt der Mann, dessen Ernennung zum Polizeichef in der Region Kiew einst einen Aufschrei bei europäischen Menschenrechtlern zur Folge hatte.

    Was europäischen Medien allerdings seltsamerweise verborgen blieb: Inzwischen wurde Trojan sogar zum Vize der gesamten ukrainischen Polizei gewählt – also ist der rechtsradikale Trojan auch Chef von Krischtschenko. Kann man vor diesem Hintergrund überhaupt darauf hoffen, dass das vom Rechten Sektor versprochene „Blutbad“ vereitelt wird?

    Der Kiewer Polizeileiter Krischtschenko versichert aber, die Polizei werde bei der diesjährigen Parade „im Rahmen der Gesetze“ handeln, was allerdings nicht zu bedeuten habe, dass man gegebenenfalls nicht „hart durchgreifen“ werde, betonte er.

    Zuvor hatte die Münchner Delegation des Pride-Marsches angekündigt, an der diesjährigen Parade teilzunehmen. Die Delegation werde von der Städträtin Lydia Dietrich (Bündnis 90/Die Grünen) angeführt.

     

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    Tags:
    Nationalismus, Neofaschismus, Lesben, Schwule, Rechter Sektor, LGBT, Gay-Pride, Kiew, Ukraine