16:28 14 Dezember 2019
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    Jüdischer Verband: Darum darf Deutschland wohl Genozid-Resolutionen verabschieden

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    Armenien-Resolution: Völkermord – ja oder nein? (48)
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    Die Deutschen haben ein moralisches Recht, die Türkei auf eine „falsche Bewertung der Geschichte“ hinzuweisen, da das Land selbst auch für den Holocaust die Verantwortung übernommen hatte, wie der Chef der Föderation jüdischer Gemeinden Russlands, Alexander Boroda, sagte.

    Boroda kommentierte konkret die Worte des türkischen Justizministers Bekir Bozdağ zur jüngst vom deutschen Bundestag angenommenen Armenien-Resolution. 

    Zuvor hatte Bozdağ die Resolution, mit welcher die Bundesregierung den Völkermord durch das Osmanische Reich an den Armeniern vor 101 Jahren verurteilte, eine Verleumdung genannt: „Erst verbrennst du die Juden im Ofen, dann stehst du auf und klagst das türkische Volk mit Genozidverleumdung an", so der Justizminister. Den Deutschen empfahl er, sich um ihre eigene Geschichte zu kümmern.

    Diesen Kommentar des türkischen Ministers hält Boroda für völlig unangemessen. Der Unterschied zwischen der türkischen und der deutschen Position bestehe darin, dass Deutschland seine Verantwortung für den Holocaust nie geleugnet habe. Deutschland habe aus seiner Geschichte gelernt, daher sei das Land durchaus berechtigt, den Genozid an den Armeniern zu be- und verurteilen.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte neulich auch die „Holocaust-Karte“ ausgespielt und Deutschland des Völkermords in Namibia beschuldigt.

    Deutschland, das in der Vergangenheit selbst viele Fehler gemacht habe, wisse sehr wohl, dass das Leugnen eines Völkermords leicht zu einem weiteren führen kann, so Boroda weiter. Aus diesem Grund wolle Deutschland die Türkei vor dem Verschweigen ihrer Geschichte warnen. Die Türkei solle stattdessen alle Tatsachen beim Namen nennen.

    „Die Wahrheit wird vor allem der Türkei selbst helfen und, noch wichtiger, die Welt vor neuen Völkermorden bewahren“, so Boroda.

    Am Donnerstag hatte der Bundestag die von CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen eingebrachte Resolution über die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich vor 101 Jahren angenommen, bei denen Schätzungen zufolge bis zu 1,5 Millionen Angehörige der christlichen Minderheit im Osmanischen Reich getötet wurden. Bereits 20 Länder haben jedoch den Völkermord durch das Osmanische Reich anerkannt. Als erster hatte es Uruguay gemacht, darauf folgten Zypern, Russland, Kanada, Libanon, Belgien, Frankreich und eine weitere Reihe von Staaten. Die Türkei lehnt diese Sichtweise der Geschehnisse ab.

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    Genozid, Alexander Boroda, Türkei, Armenien, Deutschland