18:45 14 Dezember 2018
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    Feindbild Russland: „Deutsche Regierungseliten spielen mit dem Frieden“ – Ken Jebsen

    © Sputnik / Peggy Lohse
    Politik
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    Die deutschen Regierungseliten spielen dem freien Reporter Ken Jebsen zufolge mit dem höchsten Gut – dem Frieden, ohne dabei für die Deutschen zu sprechen.

    In seiner Stellungnahme zu den Berichten einiger deutscher Medien, wonach Russland in der neuen „Weißbuch“-Fassung nicht mehr als Partner, sondern als ein „Rivale“ Deutschlands eingestuft werden soll, sagte der Journalist: „Ich habe das mit dem Weißbuch auch gelesen, niemand denkt das in Deutschland! Das denken nur die gekauften Regierungsmitglieder und selbst dort lügen die meisten. Wir haben es sehr oft mit Eliten zu tun, die heucheln.“

    „Wir müssen damit fertig werden, dass viele unserer guten Eliten es nie mit uns gut gemeint haben“, so Ken Jebsen in einem Sputnik-Interview am Rande des internationalen Mediaforums „Die neue Epoche des Journalismus: Abschied vom Mainstream“ in Moskau.

    „Russland ist kein Feind“

    „Die Elite spricht auf gar keinen Fall für Deutschland. Für mich spricht sie nicht und  ich kenne niemanden, für den sie spricht. Also Russland ist kein Feind“, betont er. Bei diesem Feindbild müsse er sich immer fragen, wem diese Denkweise nütze: „Nach der deutschen Geschichte Russland als Feind zu bezeichnen, ist total irre! Nachdem wir die DDR als Geschenk bekommen haben, es überhaupt zu äußern? So ein Quatsch, eine Frechheit. So ein Weißbuch ist eine verstärkte Hetze, die Vorform von einer Aggression. Mir wird doch immer ein Feindbild vorgelegt.“

    „Es gibt DEN Russen nicht“

    Was im Weißbuch drinsteht, habe jemand diktiert, das denken die Deutschen nicht: „Es ist Hetze, man kann sich dafür nur schämen. Wenn Egon Bahr, Willy Brandt oder Helmut Schmidt das noch mitbekommen würden, was sie aus dieser Ostpolitik machen. Unsere Politiker spielen mit dem höchsten Gut – mit dem Frieden.“

    „Es gibt DEN Russen nicht. Wenn jemand kommt und sagt „So sind sie“, ist das immer eine Form von Propaganda.  DIE Deutschen denken gar nichts, es gibt Millionen Deutsche, die alle was Unterschiedliches denken. Es gibt heute einen großen Unterschied zwischen dem, was in den Massenmedien drin steht, und dem, was die meisten Leute denken“, so Jebsen weiter.

    Der Journalist sieht die Nato als eine Bedrohung für den Weltfrieden: „Es gibt für die Nato keine Berechtigung mehr, seit wir Jugoslawien angegriffen haben. Seitdem ist diesem Bündnis nicht mehr zu trauen, es ist ein Angriffsbündnis, das den Weltfrieden bedroht. Präsident Putin agiert sehr besonnen: Er ist in alle diese Fallen nicht getappt, die man ihm gestellt hat. Wenn wir jemanden wie Putin nicht hätten, hätten wir schon längst Krieg.“

    Jebsen zufolge müsse man von einem Gegeneinander davonkommen. „Wenn wir aufhören, auf Konfrontationskurs zu gehen, und anfangen, das zu sein, was wir sind — kooperativ zu sein, dann haben wir eine Chance“, äußerte er. Wie Ken Jebsen betonte, sieht er es so als Journalist, aber auch als Soziologe.

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    Feindbild, Weißbuch, NATO, Ken Jebsen, Willy Brandt, Egon Bahr, Helmut Schmidt, Deutschland, Russland