08:22 26 April 2019
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    Nato-Übungen in Osteuropa: „Den russischen Bären erwürgen“

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    Drei Nato-Übungen laufen zeitgleich nahe der russischen Grenze – sie werden als defensiv präsentiert, doch Moskau glaubt kaum daran. Russische Experten beschäftigen sich mit Nato-Motiven und möglichen Gegenmaßnahmen des Kreml.

    Pawel Solotarjow, Vizechef des russischen USA- und Kanada-Instituts, sagte der Onlinezeitung vz.ru: „Erstens handelt es sich bei den Nato-Übungen um eine politische Geste. Europa hält es für inakzeptabel, wie Russland in den letzten Jahren vorgeht. Zweitens finden diese Übungen im Vorfeld des Nato-Gipfels statt, bei dem die Allianz über ihre Strategie gegenüber Russland grundsätzlich entscheiden will: Ist Russland ein Gegner? Oder soll man versuchen, die Beziehungen mit ihm auf die alte Weise aufzubauen – wie zuvor in den vergangenen Jahren?“

    „Die dritte Komponente ist rein militärisch. Im Hinblick auf Russland hat sich die Nato (vor allem die USA) daran erinnert, dass ihre Truppen ebenfalls fit sein sollten. Eine entscheidende Rolle bei solchen Aktivitäten spielen natürlich die Vereinigten Staaten“, so Solotarjow.

    Am Montag hatte die litauische Phase des jährlichen Nato-Manövers Saber Strike begonnen. Mehr als 5.000 Soldaten – darunter aus Deutschland und den USA – nehmen an dieser Phase teil. In der Ostsee laufen unterdessen die internationalen Übungen Baltops 2016 mit Kriegsschiffen. Neben Nato-Mitgliedern sind auch Finnland und Schweden diesmal mit dabei.

    Der russische Militärexperte Alexander Perendschijew kommentierte mit Blick auf die Ostsee-Übung: „Eine organisatorische Grundlage für einen Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens wird geschaffen. Trotzdem steht es nicht fest, dass diese Länder der Allianz beitreten werden. Denn es geht nicht nur darum, dass sie ihre Probleme auf Kosten der Allianz lösen könnten: Sie begreifen ausgezeichnet, dass auch das Nordatlantische Bündnis seine Probleme auf ihre Kosten lösen will.“ 

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    Besonders groß angelegt ist aber das Nato-Manöver Anakonda in Polen: Beteiligt sind 31.000 Soldaten aus 24 Ländern, darunter 10.000 Mann aus den USA, wie vz.ru berichtet. Der polnische Verteidigungsminister Antoni Macierewicz betonte, das Manöver sei defensiv ausgerichtet und ziele darauf ab, die Fähigkeit der Nato zur „Verteidigung ihrer Ostflanke“ zu testen.

    Russlands Vizeaußenminister Alexej Meschkow sagte dagegen: „Wir sind davon überzeugt, dass all diese Übungen eine ernsthafte destabilisierende Ladung in sich bergen. Ihr Hauptziel besteht darin, Spannungen entlang der russischen Grenzen weiter zu schüren.“

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    Der russische Analyst Wladimir Lepjochin schrieb in einem Kommentar für die Agentur Ria Novosti: „Den ganzen Raum von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer verwandeln Kriegsschiffe und Kampfjets der Nato derzeit zu einem Kampfring (…) Der Westen hat längst eine militärpolitische ‚Anakonda‘ vor der russischen Grenze geschaffen, einen Gürtel voller Nato-Einheiten und —Waffen. Es ist für niemanden ein Geheimnis: Die westliche ‚Anakonda‘ soll den russischen ‚Bären‘ erwürgen.“

    Perendschijew prognostizierte: „Russland wird mit Gegenmaßnahmen auf jeden Nato-Schritt reagieren. Wir werden unsere Grenze in westlicher Richtung festigen und Stützpunkte einrichten, aber auch jene militärische Infrastruktur aufbauen, die bei den aktuellen Verhältnissen möglich ist.“

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    Der russische Militärexperte Viktor Baranez kommentierte für sputniknews, die Spaltung zwischen Russland und der Allianz nehme zu. In gewisser Hinsicht könne Russland aber aus den Nato-Manövern sogar Vorteile ziehen: „Man kann ja real trainieren: Nato-Frequenzen abhören, Flüge ihrer Kampfjets beobachten, taktisch-technische Parameter zur Kenntnis nehmen.“

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