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17:27 19 September 2019
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    Der russische Präsident Wladimir Putin und Hubert Seipel

    Buchautor Seipel zu Putins Bild im Westen: Dämonisierung ist kein Ersatz für Politik

    © Sputnik / Valeriy Melnikov
    Politik
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    Der Grund für den aktuellen Konflikt des Westens mit Russland sind dem TV-Journalisten, Dokumentarfilmer und Autor Hubert Seipel zufolge illusionäre Vorstellungen des Westens.

    „Das Bild von Putin hat sich im Laufe der Jahre zu einer gigantischen Projektion des Bösen im Westen ausgebreitet. Alles, was in Russland irgendwie schlecht, ist in der Beschreibung offenkundig immer die Schuld von Wladimir Putin“, sagte Hubert Seipel am Dienstag am Rande der Präsentation seines nun in russischer Übersetzung erschienenen Buches „Putin: Innenansichten der Macht“ in Moskau in einem Gespräch mit Sputnik. „Ich kenne keinen anderen Politiker auf der Welt, der eine solche Projektionsfigur gleichzeitig ist“, fügte er hinzu.

    Von diesem Bild müsse man Seipel zufolge wegkommen: „Es gibt diesen schönen Satz, dass die Dämonisierung kein Ersatz für Politik sein kann, und es gilt in diesem Falle ganz massiv. Wir müssen von diesem Bild wegkommen und sehen, was Interessen sind. Eine der möglichen Erklärungen, warum es zu diesem Bild gekommen ist, hat etwas damit zu tun, wie es in der Sowjetunion in den 90er Jahren weitergegangen ist.“ Es sei ganz lange das politische Muster gewesen: „Wir sind die Guten, das sind die Bösen, für uns oder gegen uns, schwarz und weiß.“

    „Putin: Innenansichten der Macht“
    © Sputnik /
    „Putin: Innenansichten der Macht“

    „Der Westen hatte Wunschvorstellungen und ist enttäuscht“

    „Russland hat sich nicht so entwickelt, wie der Westen gedacht, gehofft oder was auch immer hat. Es hat seinen eigenen Weg aufgrund seiner eigenen Geschichte gegangen“, äußerte Seipel. „Wenn Sie also eine Vorstellung haben, wie sich der Andere zu entwickeln hat, und das tritt nicht ein, weil es unterschiedliche Interessen gibt, kommt es zu Konflikten – Sie werden enttäuscht. Dass es eine illusionäre Erwartungshaltung war, die der Westen hatte, das ist eine ganz andere Geschichte.“

    Das sei einer der Gründe, warum das sich über die Jahre auf eine einzige Person konzentriert habe: „ Eine Figur, die immer noch da ist, obwohl der Westen sich gewünscht hat, dass Wladimir Putin schon längst abtreten sollte. Aber das sind Wunschvorstellungen. Es ist letztendlich Russland, das entscheidet.“

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    „Der Westen hat manchmal die Vorstellung wie die katholische Kirche im 19. Jahrhundert, die glaubt, dass ihre Vorstellungen weltweit gültig sind. Da hat man erlebt, dass man auf Granit wie in Russland gestoßen ist“, schlussfolgerte der Autor.  Das sei möglicherweise der geschichtliche Hintergrund, warum es zu einer solchen abgespaltenen Projektion „Wladimir Putin und der Rest der Russen“ gekommen ist. Es habe aber nicht funktioniert, weil die Russen Wladimir Putin immer wieder gewählt haben.

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    Tags:
    Hubert Seipel, Wladimir Putin, Russland