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15:40 21 Oktober 2019
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    Neue Vorwürfe im Raketenabwehr-Streit: „Als ob Moskau selbst schuld wäre“

    © Flickr/ U.S. Missile Defense Agency
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    US-Raketenabwehr in Europa (57)
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    Die USA werfen Russland vor, den Dialog zum Thema Raketenabwehr in Europa abzulehnen, doch nach Ansicht russischer Experten untergraben eben die Amerikaner jegliche Annäherung, indem sie über Moskaus Argumente hinweghören.

    Der russische Militärexperte Viktor Murachowski wies in einem Gespräch mit der Onlinezeitung vz.ru darauf hin, dass die USA bodengestützte Raketenabwehr-Anlagen in Polen und Rumänien sowie Aegis-Zerstörer in Spanien stationieren: „Kriegsschiffe der USA und Nato halten sich regelmäßig im Schwarzen Meer und in der Ostsee auf. All dies sind militärische Fakten und keine Demagogie von Staatsbeamten und Diplomaten.“

    Will Stevens, Sprecher der US-Botschaft in Moskau, hatte am Montag gesagt, die Vereinigten Staaten seien „für einen Dialog mit Russland in Sachen Raketenabwehr nach wie vor offen“. Washington habe vorgeschlagen, durch den „Austausch im Rahmen des Nato-Russland-Rates“ eine Transparenz auf diesem Gebiet zu sichern. Die Nato schlage außerdem gemeinsame Raketenabwehr-Übungen vor, aber auch zwei gemeinsame Zentren in diesem Bereich – für Datenaustausch und Planung. Russland habe jedoch keine positive Antwort auf diese Vorschläge gegeben. „In Wirklichkeit hatte Russland 2013 – noch vor der Ukraine-Krise – diesen partnerschaftlichen Dialog gestoppt“, behauptete Stevens.

    Mehr zum Thema: Putin in Athen: Raketenabwehr in Rumänien kampfgeeignet – Moskau muss reagieren

    Murachowski kommentierte nun weiter: „Die USA waren einst selbständig und einseitig aus dem ABM-Vertrag ausgestiegen. Es bleibt Russland nichts anderes übrig, als auf diese Fakten zu reagieren und seine Verteidigung zu festigen.“

    „Als es nun offensichtlich wurde, dass Russland in der Lage wäre, der Nato und den USA militärisch Widerstand zu leisten, begannen sie von einem Dialog zu reden, den es de facto nicht gibt. Sie hören uns nicht und wollen uns nicht hören. Im Rahmen der Arbeitsgruppen im Nato-Russland-Rat hören sie über unsere Besorgnisse hinweg und setzen ihren Kurs auf den Aufbau einer globalen Raketenabwehr fort“, so Murachowski.

    Wladimir Wassiljew, Experte des russischen USA- und Kanada-Instituts, kommentierte: „Es ist für die USA sehr wichtig, das Problem um die europäische Raketenabwehr in internationalen Medien und in der öffentlichen Meinung so zu präsentieren, als ob Moskau an allem selbst schuld wäre.“

    „Anhand der Nato-Mechanismen begannen die USA mit der Stationierung von Raketenabwehr-Systemen in Osteuropa. Russlands Reaktion auf diese Aktivitäten war sehr hart und für die USA eine Überraschung“, so Wassiljew weiter.

    Washington hat laut Wassiljew offenbar erwartet, dass Moskau den Raketenschild-Aufbau in Rumänien und Polen „einstecken“ wird: „Andererseits versuchen die USA mit ihren Erklärungen, Russland für die Raketenabwehr-Situation in Europa verantwortlich zu machen. Es läuft also ein Informationskrieg, die Behauptungen der Seiten sind diametral entgegengesetzt.“

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    Tags:
    Raketenabwehr, NATO, Viktor Murachowski, Rumänien, Polen, USA