12:53 24 Juni 2019
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    ESC-Siegerin Jamala singt bei Neonazi-Festival zu Ehren von Kriegsverbrecher

    © AFP 2019/ JONATHAN NACKSTRAND / AFP
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    Die ukrainische Siegerin des Eurovision Song Contests Jamala wird im August am Festival „Banderstadt“ teilnehmen, das im Andenken an den Nazi-Kollaborateur und Kriegsverbrecher Stepan Bandera abgehalten wird. Dies haben die Veranstalter des Festivals auf ihrer Website mitgeteilt.

    Die ukrainische Sängerin Jamala hatte beim internationalen Gesangswettbewerb Eurovision 2016 mit ihrem Titel „1944“ gesiegt,  obwohl die meisten Zuschauerstimmen der russische Interpret Sergej Lasarew erhielt. In dem Lied, das ihr den Sieg verschaffen hat, geht es um die Deportation der Krimtataren in der Stalinzeit.

    Ob die Sängerin, deren Vater Krimtatar ist,  auch das Elend anderer Völker respektiert, wird nun jedoch fraglich: Schon seit Dezember 2015 steht Jamala auf der Gästeliste des nationalistischen Festivals, das solchen Personen gewidmet ist, die Kriegsverbrechen gegen Juden und Polen begangen hatten.

    Das neunte alljährliche Festival mit dem Namen „Banderstadt“ (denselben Namen trägt auch ein ultranationalistischer ukrainischer Hooligan-Club) findet vom fünften bis siebten August  in der Stadt Luzk in der Nordwestukraine statt.

    Das Musikereignis, bei dem dutzende  ukrainische Bands und Sänger auftreten, wird im Andenken an den Nazi-Kollaborateur und Kriegsverbrecher Stepan Bandera abgehalten. Das Festival soll dazu beitragen, „Stepan Bandera als nationales Symbol“ zu verewigen, betonen die Organisatoren. 

    Der Veranstaltungsort und das Datum lassen zudem auf den Gedanken kommen, dass diese nicht zufällig gewählt wurden – Luzk befindet sich in Wolhynien, wo 1943, ebenfalls im August, ukrainische Nationalistenorganisationen der OUN und UPA während sogenannter „ethnischer Säuberungen“ zehntausende Polen töteten.

    ​„Jamala wird ein Festival beehren, welches den Mördern von Polen gewidmet ist und auch einst vom Sohn des Henkers polnischer Frauen und Kinder Schuchewitsch  und Mitgliedern der Völkermord-Bande (OUN) besucht wurde“, berichtet das polnische Onlinemagazin prawy. pl.

    Somit, betont das Magazin, werde die ESC-Siegerin auch „zu Ehren“ des Massakers von Wolhynien singen.

    А в нас вже є квиточки на Бандерштат 2016 😍! #бандерштат #луцьк #фест #bandershtat #music #festival

    Фото опубликовано Nastia Yarmilko (@anastasiia_nastia) Янв 10 2016 в 2:08 PST

    Auf der Website von „Banderstadt“ wird auch ein Treffen mit Veteranen der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), angekündigt. Während des Zweiten Weltkriegs hatte die UPA gegen sowjetische und polnische Partisanen gekämpft und sich auch an der Ermordung von Juden beteiligt.

    ​Das Festival ist mehrmals von prominenten Personen aus der Rechten-Szene besucht worden – darunter von UPA-Mitgliedern, ukrainischen Politikern und Donbass-Kriegsteilnehmern aus den nationalistischen Bataillonen „Asow", „Aidar", und „Dnepr-1". Für die der Eintritt, übrigens, frei ist.

    ​Die beiden ukrainischen Nationalistenorganisationen OUN, zu deren Führungskadern auch Stepan Bandera gehörte, und UPA hatten im Zweiten Weltkrieg in der Westukraine auf der Seite der Wehrmacht gegen die Sowjetarmee und andere Staaten der Anti-Hitler-Koalition gekämpft. Im Sommer 1943 verübten die Nationalisten ein Massaker an der polnischen Zivilbevölkerung in Wolhynien.

    #бандерштат pasandolo a tope graciias por esos tres dias maravillosos😋

    Фото опубликовано lumpy spase princes (@lumpy_spase_princes) Авг 3 2015 в 12:19 PDT

    Selbst ukrainische Historiker gestehen heute die Zahl der polnischen Opfer ein: Bis Ende 1943 waren 50.000 bis 60.000 Männer, Frauen und Kinder auf unvorstellbar grausame Weise abgeschlachtet worden.

    Am 9. April 2015 hatte das ukrainische Parlament (Rada) in einem Gesetz die ehemaligen Mitglieder der beiden Organisationen als Unabhängigkeitskämpfer eingestuft und ihnen gesetzlich weite Sozialprivilegien gewährt. Einige Experten sprachen damals von einer Heroisierung von Nazi-Kollaborateuren.

     

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    Tags:
    Neonazis, Neofaschismus, Eurovision Song Contest, UNA-UNSO, Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), Jamala, Roman Schuchewitsch, Stepan Bandera, Ukraine