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    Hillary Clinton und Donald Trump

    Folgen für Russland-Politik: Trump und Clinton im Vergleich

    © REUTERS / Jim Young
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    Donald Trump oder Hillary Clinton – wessen Wahlsieg wäre für Russland besser? Der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow vergleicht ihre Ansätze, die auf die künftige US-Außenpolitik abfärben könnten.

    Lukjanow schreibt in einem Gastbeitrag für die „Rossijskaja Gaseta“: „Die beiden Präsidentschaftsbewerber symbolisieren unterschiedliche Haltungen zu Russland. Hillary Clinton steht für eine unverhohlene Ablehnung gegen Russlands Politik und Staatsaufbau (sowohl auf konzeptueller als auch auf persönlicher Ebene), Donald Trump eher für Respekt gegenüber einem starken Gesprächspartner und für eine Bereitschaft, sich nicht einzumischen, dabei aber, wenn nötig, sich ‚männlich‘ zu verständigen.“

    „Die praktische Politik lässt sich aber schwer vorhersagen. Clinton könnte sich in Wirklichkeit als vorsichtigere Pragmatikerin erweisen im Vergleich zu dem Eindruck, den sie heute macht. Sie hat ja politische Erfahrungen. Trump läuft dagegen das Risiko, eine Enttäuschung zu erleben, wenn er herausbekommt, dass jene Ansätze, die aus der Geschäfts- oder Alltags-Kommunikation mit ‚echten Kerlen‘ bekannt sind, in der Politik nicht unbedingt funktionieren“, so Lukjanow. 

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    In Bezug auf die allgemeine Gestaltung der US-Außenpolitik gebe es zwischen den beiden Bewerbern noch einen Unterschied. Clinton und Trump stünden jeweils für eine scheidende und eine möglicherweise (aber nicht unbedingt) kommende Epoche, hieß es.

    Der Name Clinton rufe Assoziationen mit der Zeit nach dem Kalten Krieg und insbesondere mit den 1990er Jahren wach, mit jenem Zeitalter einer unbestrittenen US-Dominanz: „Der politischen Psychologie der USA ist überhaupt ein Selbstvertrauen eigen – doch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mutierte dieses Selbstvertrauen zu einem energischen Dünkel. Negative Seiten begannen bereits unter Bill Clinton zum Vorschein zu kommen, erlebten ihre Blütezeit aber unter dessen Amtsnachfolger und Antagonist George W. Bush.“ 

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    Die Außenpolitik von Barack Obama werde in den USA sowohl von links als auch von rechts kritisiert. Jeder Wahlsieger werde sich offenbar von ihr distanzieren. Clinton stehe indirekt für einen Appell, den einstigen Ruhm aus jenem Zeitalter wiederzubeleben, als die USA sich berechtigt gewähnt hatten, über das Schicksal des Planeten zu entscheiden.

    „Trump vertritt eine andere Philosophie, die darauf basiert, dass ein großer Teil der US-Gesellschaft müde ist vom unverständlichen außenpolitischen Aktivismus. Wenn man Trumps Rhetorik, abgesehen von Eskapaden und Skandalen, betrachtet, ist er ein Libertarist. Die Anhänger dieser Philosophie setzen sich für eine Minimierung der staatlichen Einmischung in die Angelegenheiten  der Bürger ein (…) Den US-Kurs nach dem Kalten Krieg kritisieren die Libertaristen gnadenlos wegen Hochmut, übermäßiger Ambitionen und unnötiger Unterfangen, in die die Nation involviert wurde.“

    Es ist laut Lukjanow vorerst unklar, ob der US-Expansionismus nun von einer Art Abkapselung abgelöst werden könnte: „Sowohl der globale Messianismus als auch der Isolationismus machen im Prinzip zwei Antlitze der US-Ausschließlichkeit aus. Weder der erstere noch der letztere ist derzeit in seiner unverdünnten Form möglich. Die Frage ist, welche Komponente im ideologischen Cocktail überwiegen wird.“ 

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    US-Präsidentschaftswahl 2016, Fjodor Lukjanow, Hillary Clinton, Donald Trump, Russland, USA