09:46 15 November 2019
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    Ermordung des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow

    Mord an Nemzow: Steckt der ukrainische Geheimdienst dahinter?

    © AP Photo / Dmitry Lovetsky
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    Politiker Boris Nemzow in Moskau getötet (37)
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    Hinter der Ermordung des russischen Oppositionspolitikers Boris Nemzow steckt der ukrainische Geheimdienst. Mit dieser Behauptung trat heute die Investigativ-Gruppe „Ost-Objektiv“ in Berlin erstmals an die Öffentlichkeit und stellte ihre Rechercheergebnis in einem seitenlangen Bericht vor.

    In diesem Bericht heißt es, mit dem Mord an Nemzow wollte der ukrainische Geheimdienst einen Volksaufstand provozieren und in Moskau einen neuen „Maidan“ entfachen.

    Unklar bleibt allerdings, wer sich hinter der Investigativ-Gruppe „Ost-Objektiv“ verbirgt. Zu der Pressekonferenz am Dienstag hatte der deutsche Journalist Wilhelm Dietl eingeladen. Der Geheimdienstexperte und ehemalige BND-Mitarbeiter führte auch durch die Veranstaltung. Laut Dietl stehen hinter dem "Ost-Objektiv" frühere Politiker und Geheimdienstler von Rang und Namen aus Deutschland und Österreich. Namen nannte Dietl keine. 

    Mehr zum Thema: Mord an Nemzow: Wo ist die Pistole?

    Stattdessen sagte er gegenüber Sputniknews, die Mitglieder der Gruppe wollten abwarten, wie der Bericht über die Ermordung Nemzows ankommt, um dann in die Öffentlichkeit zu treten. Der Bericht, betitelt als „Memorandum“, sei das Ergebnis monatelanger Recherchen. Dabei seien Gespräche mit Mitarbeitern verschiedener Geheimdienste – etwa aus Norwegen, Dänemark und der Ukraine – eingeflochten.

    Dem Bericht zufolge spielt bei dem Attentat Nemzows die damalige Lebensgefährtin, das ukrainische Model Anna Durizkaja, eine zentrale Rolle. Laut Augenzeugen soll sie den Politiker am 27. Februar 2015 zu dem Spaziergang um den Kreml gedrängt haben, an dessen Ende die tödlichen Schüsse fielen. Auch der Zeitpunkt sei bewusst gewählt worden: Nemzow hatte drei Tage später einen Protestmarsch der Opposition durch Moskau geplant.

    Zu Ausschreitungen sei es nicht gekommen, weil der ukrainische Geheimdienst die russische Opposition überschätzt hatte. Statt auf die Barrikaden zu gehen, habe sie am 1. März in stiller Trauer des ermordeten Nemzows gedacht.

    Für diese Theorie spreche zudem, dass weder Russland noch der Westen vom Tod Nemzows profitiert hätten.

    Einige von Sputnik befragten Experten äußerten sich allerdings skeptisch über diese Theorie. Die Ermittlungen der russischen Behörden im Mordfall Nemzow seien bereits sehr weit fortgeschritten und der Öffentlichkeit bekannt, hieß es.

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    Boris Nemzow, Russland, Ukraine