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    Von der nach dem UdSSR-Zerfall entstandenen großartigen Vision eines „Gemeinsamen Europäischen Hauses“ mit gleicher Sicherheit für alle ist fast nichts übrig geblieben, so der ehemalige Kanzlerberater Horst Teltschik. „Die Bilanz nach 25 Jahren ist mehr als ernüchternd, wobei Europa und die USA dazu beigetragen haben.“

    „Enttäuschend ist, dass keine Seite die Chancen genutzt hat, sondern mangelndes Vertrauen bzw. altes Misstrauen vorherrschend blieben“, sagte er in einem Interview für russlandkontrovers.de.

    „Die größte Fehleinschätzung besteht darin, die erklärten, wenn auch übertriebenen Sicherheitsinteressen Russlands nicht ernst genug genommen zu haben“, äußerte der Diplomat. „Die im November 1990 von allen 35 Staats- und Regierungschefs der KSZE- Staaten unterschriebene ‚Charta für ein neues Europa‘ ist von Anbeginn nicht entschlossen in konkrete Entscheidungen umgesetzt worden. Die vereinbarten jährlichen Außenministerkonferenzen blieben ohne Wirkung. Das beschlossene Konfliktverhütungszentrum trat auch in Krisensituationen nach außen nie in Erscheinung. Die OSZE versucht erst jetzt in der Ukrainekrise ihrer Rolle des Krisenmanagements gerecht zu werden“. 

    Teltschik verwies darauf, dass „die Schnittmenge der gemeinsamen Interessen“ Europas und Russlands „größer ist als viele wahrhaben wollen“. „Es wird in Europa keine dauerhafte Sicherheit und keinen stabilen Frieden ohne oder gegen Russland geben. Das gemeinsame Ziel der Pariser Charta für ein neues Europa, für ein Gemeinsames europäisches Haus, in dem alle Staaten die gleiche Sicherheit genießen, bleibt unverzichtbar.“

    Auch im wirtschaftlichen Bereich seien die Aussichten für eine engere Kooperation durchaus gegeben. „Mit dem Beitritt Russlands zur WTO wurde die Tür für eine gesamteuropäische Freihandelszone geöffnet“, betonte er. „Sie ist zum Vorteil aller und muss auf der Agenda bleiben. Die wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit bereichert alle beteiligten Völker. Warum nutzen wir sie nicht? Der Jugendaustausch, Young Leader – Konferenzen, Städtepartnerschaften und vielfältige andere Begegnungen sind in Gang gekommen. Wir sollten sie weiter pflegen und ausbauen. Nichts dient der wechselseitigen Verständigung mehr.“

    Nach seiner Ansicht gibt es genug Bereiche, in denen Russland und der Westen Probleme anpacken könnten: „Jeder gemeinsame Erfolg zählt. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, in Transnistrien, in Georgien, in Armenien um Nagorny Karabach, um nur einige zu nennen. Die Türkei nicht zu vergessen. Themen der Abrüstung, der Rüstungskontrolle und vertrauensbildende Maßnahmen gehören auf die gemeinsame Tagesordnung. Dialog und Zusammenarbeit bleiben unverzichtbar. Dazu gehören Kreativität, strategisches Denken, Mut und Vertrauen – auf beiden Seiten.“

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    Tags:
    WTO, OSZE, Horst Teltschik, Russland