08:11 22 September 2017
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    Fünf „Mythen“, die das Zerwürfnis zwischen Russland und Nato schüren

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    Die Nato will fünf russische „Top-Mythen“ zu ihrer Politik widerlegt haben. Russische Experten betrachten die Argumente der Allianz jedoch als haltlos und haben an jedem davon etwas auszusetzen.

    1.

    In einem Kommentar auf ihrer Webseite weist die Nato den Vorwurf zurück, wonach sie Russland einkesseln wolle. Die Allianz argumentiert, die russische Landgrenze sei insgesamt mehr als 20.000 Kilometer lang – und nur ein 1.215 Kilometer langer Abschnitt entfalle auf Nato-Mitglieder.

    Doch der russische Militärexperte Viktor Murachowski, Chefredakteur des Branchenmagazins „Arsenal Otetschestwa“, hält dieses Argument für eine Demagogie. Murachowski sagte der Onlinezeitung vz.ru, während des Zweiten Weltkriegs sei die sowjetische Front gegen Nazi-Deutschland im Verhältnis zur gesamten Staatsgrenze ebenfalls klein gewesen. Trotzdem habe die Sowjetunion damals äußerst schwere Verluste erlitten. Die Nato verzerre also die Fakten. 

    2.

    Als weiteren Mythos betrachtet die Nato die Behauptung, wonach sie Russland isolieren wolle. Die Allianz betont, sie habe im März 2014 nur praktische Zusammenarbeit mit Russland ausgesetzt, weil Russland gegen die Ukraine aggressiv vorgehe und gegen das Völkerrecht verstoße.

    Der russische Politik-Experte Kirill Koktysch, Dozent an der Moskauer Diplomaten-Uni MGIMO, konterte, die Nato sei einst zustande gekommen, um sich der Sowjetunion entgegenzusetzen. „Die Allianz hat ihre Aufgaben gelöst und ist nicht mehr nötig. Trotzdem besteht sie weiter. Seit Russlands Wiedervereinigung mit der Krim sieht die Nato wieder Chancen für ihr Überleben. Die Nato braucht diese Konfrontation, um ihre Existenz zu rechtfertigen“, kommentierte Koktysch für vz.ru.

    3.

    Moskaus Befürchtungen, wonach die Raketenabwehr in Europa unmittelbar Russland gefährde, ist nach Ansicht der Nato ebenfalls ein Mythos. Das Nordatlantische Bündnis erläutert, der Raketenschild in Rumänien und Polen sei technisch nicht in der Lage, russische Langstreckenraketen abzufangen, und richte sich gegen ballistische Raketen des Iran.

    Murachowski kommentierte allerdings, die europäische Raketenabwehr verstoße faktisch gegen den INF-Vertrag, der alle bodengestützte Raketen mit einer Reichweite von 500 bis 5.500 Kilometer verbietet. Bodengestützte Aegis-Startvorrichtungen  seien mit jenen seegestützten Anlagen identisch, die in der Lage sind, Marschflugkörper und Boden-Luft-Raketen abzufeuern: „Bei Bedarf könnten die langestützten Vorrichtungen sowohl mit SM-Abfangraketen als auch mit Marschflugkörpern des Typs Tomahawk (darunter mit Atomsprengköpfen) bestückt werden. Es gibt keine technischen Hürden dafür.“ Außerdem solle der Raketenschild in Europa künftig stärker werden, um auch russische Langstreckenraketen abfangen zu können. 

    4.

    Die Nato weist den russischen Vorwurf von sich, wonach ihre Militärübungen nahe der russischen Grenze provokativ und für Russland bedrohlich seien. Die Allianz mahnt, ausgerechnet Russland mit seinen Manövern nahe seiner westlichen Grenze gefährde die Stabilität. 

    Fotos: Nato-Großmanöver Saber Strike 2016 im Baltikum

    Murachowski erläuterte, Russland sei besorgt über den turnusmäßigen Aufenthalt von Nato-Einheiten vor seiner Grenze: „Heute befinden sich dort beispielsweise polnische Jagdflugzeuge, morgen deutsche, übermorgen dänische. Zwar ist das formell kein Verstoß gegen die Regeln, doch aus russischer Sicht gibt es eine ständig stationierte Truppe auf den Nato-Luftwaffenbasen im Baltikum.“ Murachowski sagte weiter, seit ihrer Gründung habe die Nato keine defensiven Operationen absolviert: „Wenn wir ihre Einsätze betrachten (sowohl nahe ihren Grenzen wie in Jugoslawien,  als auch weit entfernt wie in Afghanistan), kommt die Frage auf, ob die Allianz wirklich defensiv ausgerichtet ist.“

    5.

    Dass die Nato neue Trennlinie in Europa schaffe, ist nach ihren Angaben ebenfalls ein russischer Mythos. Die Allianz betonte, ihr Engagement trage zur Demokratie, Sicherheit und Stabilität in Europa bei.

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    Im Kommentar von vz.ru heißt es: „Diese Gutmensch-Worte lassen sich durch die Erklärung einer Spitzenpolitikerin widerlegen, deren Staat seine Loyalität zum euroatlantischen Kurs immer wieder demonstriert. ‚Es ist derzeit wichtiger denn je, unseren Kurs darauf beizubehalten, in der EU und in der Nato Fuß zu fassen. Ich erwarte das vom künftigen Kabinett, damit es eine Trennung zwischen Ost und West gibt‘, sagte Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite am 10. Juni vor dem Parlament.“

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