03:52 16 Dezember 2019
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    22. Juni 1941: „Es ging darum, die Sowjetunion zu zerstören“ - Historiker

    © Foto : Foto zur Verfügung gestellt vom Museumspark „Schlacht von Stalingrad“
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    Heute vor 75 Jahren begann Nazideutschland mit dem "Unternehmen Barbarossa". Hinter diesem harmlos klingenden Namen verbirgt sich eine der grausamsten und menschenverachtendsten Kriegstaten der Geschichte: der Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion.

    Was am 22. Juni 1941 geschah und welche Folgen noch bis heute zu spüren sind, darüber sprach Sputnik mit Dr. Jörg Morré, dem Direktor des deutsch-russischen Museums in Berlin-Karlshorst.

    Wie gegenwärtig ist der Gedenktag in der russischen Gesellschaft?

    Der 22. Juni wird seit etwa zehn Jahren als "Tag der Trauer" erinnert.  Man erinnert sich an den Krieg, wenngleich nicht so stark wie am 9. Mai (dem "Tag des Sieges" Anm. d. Red.). Im Grunde in jeder Familie in Russland gibt es mindestens ein Opfer des Russland-Feldzuges. Und das wirkt in den Familien nach.

    Und im Vergleich dazu in Deutschland?

    Für Menschen, die sich mit Geschichte befassen, ist das Datum gegenwärtig. Sie wissen auch, dass dieser Tag ein erinnerungswürdiger Tag ist. Aber in der Masse der Bevölkerung ist dieser Tag weitestgehend in Vergessenheit geraten.

    Können Sie für diese Menschen noch einmal erzählen, was am 22. Juni 1941 passiert ist? 

    Heute vor 75 Jahren hat das Deutsche Reich, die Wehrmacht, die Sowjetunion unangekündigt überfallen. Die Nazis hatten vor, die Sowjetunion in zwei Monaten militärisch zu besiegen und sie gleichzeitig wirtschaftlich vollkommen auszubeuten.

    Mit der militärischen Planung ging von vornherein die politische Planung einher, die Ideologie der Sowjetunion zu zerstören und ihre Menschen zu versklaven, sie umzubringen und die Ressourcen dieses Landes dem deutschen Reich einzuverleiben.

    Am Ende starben 27 Millionen Menschen — allein in der Sowjetunion. Zwei Drittel davon waren zivile Opfer. Wir reden heute von einem Vernichtungskrieg, denn es war weit mehr als ein rein militärisches Ereignis. Es ging wirklich darum, die Sowjetunion als ideologischen Gegner des deutschen Reiches zu zerstören.

    27 Millionen Tote auf Seiten der Sowjetunion — unterschätzen wir Deutschen oft, welche Gräben und Narben dieser Feldzug bis heute hinterlassen hat?

    Ich glaube ja. In Deutschland ist Krieg so etwas Abstraktes und Fernes, weil wir Gott sei Dank seit siebzig Jahren im Frieden leben. Wir können uns das nicht vorstellen, dass bis heute in Russland jede Familie sehr präsent hat, wer alles diesen großen Krieg nicht überlebt hat. Und, dass die Freude über den Sieg nach wie vor sehr groß ist.

    Denn man hat eben dieses faschistische Ungeheuer besiegen können. Und das will man nicht vergessen.

    Hier finden Sie das komplette Interview:

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    Tags:
    Faschismus, UdSSR, Deutschland