11:14 06 April 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Was wird mit dem Brexit? (340)
    136913
    Abonnieren

    Hans-Olaf Henkel rechnet damit, dass die Briten für einen Verbleib in der EU stimmen. Allerdings ist für den Europa-Abgeordneten der Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA) das Referendum in Großbritannien ein Alarmsignal für die ganze Union. Die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Merkel sei die größte Trumpfkarte der Brexit-Befürworter.

    Herr Henkel, mit welchem Ergebnis rechnen Sie beim EU-Referendum der Briten? 

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die Briten für die Beibehaltung ihrer Mitgliedschaft der EU aussprechen werden. Denn die Briten sind eigentlich ein sehr vernünftiges Volk. Ich glaube nicht, dass die Mehrheit, so wie teilweise prognostiziert, den Sprung ins Ungewisse wagen wird.

    Es spricht aus der Sicht Großbritanniens einiges für einen Austritt aus der EU. Auf der anderen Seite hat Herr Cameron ein schlagendes Argument: Er nannte das im Englischen den 'leap in the dark', also der Sprung ins Ungewisse. Es gibt niemanden, der genau voraussehen kann, was dann passiert. Ich glaube, dass diese Angst vor dem Ungewissen zu einer überzeugenden, für den Verbleib stimmenden Mehrheit führen wird.

    Was bedeutet es für die EU und für Deutschland, wenn der Brexit widererwartend doch kommt? 

    Die EU würde dramatisch geschwächt, wenn Großbritannien die EU verlässt. Ob der Verbleib die EU wiederum stärkt, das sei mal dahingestellt. Die euromantischen Politiker sollten eher zur Vernunft kommen und sich ein Beispiel an den Briten nehmen. Ich bin überzeugt, dass wir in Europa nur dann weiterkommen, wenn wir uns auf den Vertrag von Lissabon zurückbesinnen. Denn dort war immer von Subsidiarität die Rede und nie von Zentralismus; oder von Eigenverantwortung für Staats- und Bankschulden eines Landes und nicht für deren Sozialisierung.

    Europa wird nur dann gestärkt daraus gehen, wenn wir uns wieder besinnen und uns auf dem Weg zu einem Europa der souveränen Staaten bewegen und weg von den Vereinigten Staaten von Europa.

    Sehen Sie die Gefahr des Nachahmungseffektes in Europa im Falle eines Brexit? 

    Ja, und dann geht alles wieder von vorne los. Wir dürfen nicht vergessen, dass in der Abstimmung über ein Freihandelsabkommen mit der Ukraine eine Mehrheit der Holländer dagegen war. Mittlerweile wächst die Stimmung selbst in europafreundlichen Ländern wie Holland, Dänemark und Schweden gegenüber einem zentralistischen Europa.

    Was Deutschland angeht, so bin ich der Meinung, dass wenn es zu einem Brexit kommt, sollten wir über einen Dexit abstimmen. Nach einem Austritt aus der derzeitigen Europäischen Union, könnte Deutschland mit gleichgesinnten Ländern einen neuen Anfang wagen. Ich finde es nicht akzeptabel, dass die Deutschen mit staatsgläubigen und reformunfähigen Franzosen allein gelassen werden. Durch einen Brexit würden die Menschen die EU verlassen, die noch einen gesunden Menschenverstand hat.

    Interview: Matthias Witte

    Das komplette Interview hören Sie hier:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Was wird mit dem Brexit? (340)

    Zum Thema:

    The day after Brexit? Großbritannien droht Europäern mit Massen-Deportationen
    Brexit-Folgen: EU droht Parade der Souveränitäten
    Wer wird Weltmacht? - US-Milliardär Soros orakelt über russisch-europäische Zukunft
    Die Brexit-Kampagne: Irreführung im Namen der Finanzindustrie
    Tags:
    Brexit, EU, Großbritannien, Deutschland