02:56 13 August 2020
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    Was wird mit dem Brexit? (340)
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    Martin Sonneborn, der ehemalige Titanic-Chefredakteur und Bundesvorsitzende der Partei die PARTEI, erwartet nicht, dass es zum Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union kommen wird.

    "Ich setze da voll auf die Erfahrung der britischen Buchmacher, und die wetten dagegen“, sagte er in einem Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke. „ Insofern glaube ich nicht, dass es einen Brexit geben wird. Ich habe selber noch ein bisschen Stimmung für den Brexit gemacht vorhin und mitgeteilt, dass sowohl John Cleese als auch Michael Caine und Roger Daltrey dafür sind, aber ich glaube nicht, dass das noch reicht."

    Deutsche Fans in Frankreich
    © REUTERS / Christian Hartmann Livepic
    Die Stimmung im Europäischen Parlament sieht der Satiriker und Europaabgeordnete als eher gelassen:

    "Auch in den Herzen der UKIP-Kollegen, die ich hier habe, deren einziger politischer Standpunkt ja praktisch der Brexit ist, schlagen zwei Herzen. Ich weiß von einigen, dass sie gegen den Brexit stimmen werden, einfach weil sie natürlich auch daran interessiert sind, hier ihre gut dotierten Jobs weiter zu machen. Niemand versteht das besser als ich." 

    Als problematisch sieht Martin Sonneborn, dass man die Argumente schwer hinterfragen kann:

    „ Ich habe eigentlich kein Argument gesichtet, obwohl ich mich jetzt wirklich ein wenig damit beschäftigt habe, dass mir als Engländer klar machen würde, der Brexit wäre ein enormes wirtschaftliches Problem. Das wird zwar immer wieder ins Rennen geschmissen und von allen Seiten behauptet, aber ich glaube nicht, dass das wirklich so ist."

    Als Vorsitzender der PARTEI sieht Sonneborn den Brexit positiv:

    „Wir wollen ja ein Kerneuropa mit ein paar Vasallenstaaten und die Engländer. Wenn man auf die Karte schaut, die gehören eigentlich nicht zum Kontinent hier. Insofern müssen die natürlich raus."

    "Ich würde nach den Briten schon noch einige Länder aus der EU werfen. Eigentlich alle, die hier nicht applaudieren, wenn deutsche Politik in Europa gemacht wird — gut, das sind nicht mehr so viele — aber Ungarn zum Beispiel, Österreich, Polen —wahrscheinlich am dringlichsten sogar — und überhaupt einige der osteuropäischen Staaten“, fügte Sonneborn hinzu. „Ich bin eigentlich ein Fan des Europas, wie es 2003 aussah, bevor Elmar Brocken — 174 Kilogramm konzentrierte CDU — hier im Europaparlament angefangen hat, da Ostpolitik zu machen, in dem Sinne, dass man da immer mehr osteuropäische Länder in die EU aufnimmt. Wohin das führt, das sehen wir ja heute. Ich finde, man sollte da einen Schnitt machen: Satire in den Grenzen von 2003."

    "Es gibt natürlich auch einen guten Einwurf — ich glaube Joseph Stieglitz hat das gesagt: Sinnvoller als ein Brexit wäre im Prinzip ein Ausscheiden Deutschlands aus der Euro-Zone. Ich glaube, wirtschaftlich kann man das nachvollziehen. Das Problem Europas ist, glaube ich, dass es ein wirtschaftliches Konstrukt ist, dass — und das sehe ich auch im Europaparlament hier — eigentlich mehr für Großunternehmen und Finanzdienstleister geschaffen ist und dass der kleine Mann im englischen Reihenhaus, oder auf der deutschen Straße sich hier nicht mehr richtig repräsentiert fühlt, zu recht. Ich glaube, daran müsste man arbeiten, egal ob es jetzt zu einem Brexit kommt oder nicht."

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